In der Frohn-Gasse zu Dresden während der Mobilmachungstage August 1914

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Worum es geht

Beschreibung

1914 ist Ludwig Meidner in Dresden und erlebt dort den Kriegsausbruch. Seine Pinselzeichnung »In der Frohn-Gasse zu Dresden während der Mobilmachungstage August 1914« dokumentiert die Ereignisse. Im Schein einer Straßenlaterne haben sich Soldaten zu einer Art Appell versammelt. In dem ganzen Gedränge ist jedoch kein Individuum auszumachen, die Menschenmenge erscheint nur noch als ein anonymer Haufen Uniformierter. Die krasse Licht-Schatten-Dramaturgie unterstreicht das Gespenstische des Auflaufs - »Indessen saß ich geduckt und verkrampft, und die Zähne verbissen über meinem Zeichenbrett, und es schossen nur wiehernde Fratzen aus meinem Stift, und zerstampfte Leiber rannen wie Satans Speichel aus meinen Fingern.« (aus: »Erinnerung an Dresden«, 1920).

Hintergrundinformation

Dr. Ismar Littmann (1878-1934) arbeitete als Anwalt und Notar in Breslau. Er war leidenschaftlicher Kunstsammler und Mäzen. Seine Sammlung zeitgenössischer Kunst umfasste mehr als 300 Gemälde sowie über 5.000 Arbeiten auf Papier. Per NS-Ideologie gehörte er zum aus rassischen Gründen verfolgten Personenkreis. Ab 1933 waren er und seine Familie zunehmender Diskriminierung und Entrechtung ausgesetzt. Littmann starb 1934 an den Folgen eines Selbsttötungsversuchs. Zu einem bislang nicht näher bekannten Zeitpunkt im Jahr 1933 übergab Littmann die Zeichnung von Ludwig Meidner (und viele weitere Werke seiner Sammlung) an einen befreundeten Zahnarzt: Dr. Paul Schaefer (1881-1950). Auch Schaefer wurde aus rassischen Gründen vom NS-Regime verfolgt und war gezwungen, 1938 nach Uruguay zu fliehen. Nach aktuellem Forschungsstand lässt sich nicht eindeutig bestimmen, ob Paul Schaefer tatsächlich Eigentümer oder nur Besitzer von Teilen der Sammlung Littmann wurde. Wenn Schaefer Eigentümer gewesen ist, ist derzeit auch nicht klar, welche Familie als "Erstgeschädigte" zu betrachten ist. Gegenwärtig wird die Zeichnung als Verdachtsfall eingestuft. Die Forschung läuft noch. Die Staatsgalerie Stuttgart freut sich über sachdienliche Hinweise zum Werk, die zur Klärung der Provenienz beitragen.

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