Worum es geht

Beschreibung

Ein Lieblingsmotiv der Impressionisten, die Theaterloge, bietet den Rahmen für die effektvolle Präsentation einer verführerischen Frau, die gedankenverloren und sphinxhaft über die Balustrade blickt, während der hinter ihr stehende Begleiter mit einem Fernglas nach den oberen Rängen Ausschau hält. Das von links einfallende Streiflicht verleiht dem Gesicht der Frau eine maskenhafte Unergründlichkeit und hebt die Statuarik ihrer Gestalt hervor. Der Bildraum wird durch die unterschiedlichen Blickrichtungen des Paares überschritten. So entsteht eine kontrastreiche Verschränkung von Flächenverbindung und Raumöffnung, in der sich nicht zuletzt die Situation der Mann-Frau-Polarität spiegelt.

Hintergrundinformation

Nach der Entstehung wurde das Gemälde in der Galerie Günther Franke, München von Mitte September bis Mitte Oktober 1928 ausgestellt. Anschließend wurde es im Kunsthaus Schaller in Stuttgart vom 28.10.-30.11.1928 gezeigt. Vom 12.-31.01.1929 war „Die Loge“ schließlich bei der Galerie Alfred Flechtheim in Berlin zu sehen. Während der Laufzeit der Flechtheim-Ausstellung erwarb Julius Meier-Graefe das Gemälde am 15.01.1929. Aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten musste der Ankauf jedoch wieder rückgängig gemacht werden. Julius Meier-Gräfe hatte erfolglos versucht, das Gemälde für 8.000 Mark zu verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt wurde Max Beckmann von Alfred Flechtheim, Günther Franke und I.B. Neumann vertreten. Alle drei Händler verdienten bei jedem Beckmann-Verkauf anteilig. Am 22.03.1930 bot Günther Franke das Gemälde für 6.000 Mark Friedrich Dörnhöffer, dem Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München an, da Meier-Graefe nicht bezahlen könne. Der Verkauf kam jedoch nicht zustande. Einen Monat später gelang Franke der Verkauf an Margarete Oppenheim für 6.000 Mark. Margarete Oppenheim (1857–1935) besaß eine der größten Kunstsammlungen Deutschlands. Sie gehörte außerdem zum Kreis der aus rassischen Gründen verfolgten Personen des NS-Regimes. Die Nationalgalerie Berlin plante 1932 eine Ausstellung mit Werken Max Beckmanns im Kronprinzenpalais. Das Gemälde befand sich 1932 im Graphischen Kabinett Günther Franke und wurde von dort zur Ausstellung an die Nationalgalerie Berlin geschickt, war aber zu diesem Zeitpunkt eindeutig Eigentum von Margarete Oppenheim. Bis zum Ende der Ausstellung im August 1933 befand sich das Gemälde weiterhin im Kronprinzenpalais als Eigentum von Margarete Oppenheim und wurde auf ihren Wunsch am 12.09.1933 zum Graphischen Kabinett Günter Franke, München, zurückgeschickt. Danach lässt sich kein Nachweis für den Verbleib des Gemäldes finden. Es wird nach aktuellem Forschungsstand erst im Februar 1937 wieder aktenkundig. Am 22.02.1937 bot Karl Buchholz das Gemälde Hugo Borst zum Kauf an für 3.200 RM. Nur einen Tag später, am 23.02.1937, bot Günther Franke das Gemälde nochmals Otto Fischer in Basel an, und zwar für 3.800 RM. Da die beiden Händler zeitgleich schreiben, ist anzunehmen, dass sie gemeinsam agierten und ein gemeinsames Umgarnen möglicher Interessenten besprochen haben. Gemäß dem aktuellen Forschungsstand ist weiterhin unklar, in wessen Auftrag die Händler arbeiteten. Am 24.03.1937 erwarb der Stuttgarter Sammler Hugo Borst das Gemälde für 3.200 RM von der Buch- und Kunsthandlung Karl Buchholz in Berlin. Hugo Borst behielt das Gemälde von Max Beckmann bis zu seinem Tod 1967. Die Staatsgalerie Stuttgart erwarb das Gemälde von Max Beckmann 1968 gemeinsam mit einem großen Konvolut weiterer Werke aus der Sammlung Hugo Borst. Dieses Gemälde ist Bestandteil eines laufenden Restitutionsanspruchs und ist als Verdachtsfall eingestuft. Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Die Gespräche mit der Erbengemeinschaft werden fortgeführt. Eine finale Bewertung des Rückgabeanspruchs auf Ebene des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg steht noch aus.

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