Worum es geht

Beschreibung

Wie vor ihm Fritz von Uhde und nach ihm Max Beckmann bietet Slevogt eine höchst eigenwillige Interpretation eines häufig dargestellten christlichen Motivs, hier des im Lukasevangelium enthaltenen Gleichnisses vom verlorenen Sohn. In Anlehnung an Rembrandt, dessen Werke er im Herbst 1898 in Amsterdam sah, gibt er der Szene der Wiederbegegnung des Sohnes mit dem Vater, dessen Erbe er verprasst hat (linker Flügel) und der anschließend im Elend leben muss (rechter Flügel) eine unerwartete psychologische Wendung: Für den Betrachter bleibt offen, ob der Vater seinem Sohn verzeihen wird. In dieser Offenheit teilt sich das Bedürfnis mit, der traditionellen christlichen Thematik eine neue, gewissermaßen „weltliche" Brisanz zu geben.

Hintergrundinformation

Eduard Fuchs (1870-1940) war ein sozialistisch-kommunistischer Schriftsteller, Kulturwissenschaftler und Kunstsammler. Seine mehrteilige Publikation mit dem Titel „Illustrierte Sittengeschichte“ machte ihn bekannt und wohlhabend. Als überzeugter Kommunist war er 1918 Gründungsmitglied des Spartakusbundes und ein Jahr später der KPD. Nachdem er sich 1928 von der KPD losgesagt hatte, trat er 1929 der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) bei. Zeit seines Lebens unterstützte er die sozialistische Arbeiterbewegung, war politisch aktiv und trat lautstark für Meinungsfreiheit ein - seine politische Gesinnung war zu jedem Zeitpunkt eindeutig und wurde ihm schnell zum Verhängnis nach der "Machtübernahme“ der Nationalsozialisten. Bereits unmittelbar nach dem Reichstagsbrand, der der NSDAP als Vorwand zur gezielten Verfolgung politischen Gegner diente, wurde Eduard Fuchs am 27. Februar 1933 von der Polizei aufgesucht, er konnte sich jedoch einem Zugriff entziehen. Im März 1933 wurde seiner Berliner Villa von der Gestapo geplündert und Teile seiner Kunstsammlung beschlagnahmt. Mehrere seiner Schriften wurden auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt und am 10. Mai 1933 bei der Bücherverbrennung vernichtet, was auch den Verlust seiner Tantiemen bedeutete. Eduard Fuchs gelang im März 1933 gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Margarete Fuchs, geb. Alsberg (1853-1953) die Flucht ins Pariser Exil. Während Eduard Fuchs zum Kreis der aus politischen Gründen Verfolgten des NS-Regime gehörte, wurde seine Frau Margarete Fuchs gemäß der nationalsozialistischen Ideologie als Jüdin definiert und somit rassisch verfolgt. Das Ehepaar sah sich gezwungen, im Exil zu verbleiben, wo sich der Gesundheitszustand von Eduard Fuchs zunehmend verschlechterte. Im Dezember 1936 bat er seine Tochter aus erster Ehe, Gertraud Fuchs (1897-1960), sein verbliebenes Restvermögen zu liquidieren, um nicht nur sich selbst, sondern auch seine frühere Ehefrau Frida Fuchs, geb. Schön (1876-1956) sowie Tochter weiter unterstützen zu können. Die umfangreiche Kunstsammlung von Eduard Fuchs wurde 1937/1938 in sechs Auktionen beim Auktionshaus Rudolph Lepke in Berlin sowie C. G. Boerner in Leipzig versteigert. Das Triptychon „Der verlorene Sohn“ von Max Slevogt befand sich von 1911 bis 1938 in der Sammlung von Eduard Fuchs. Gertraud Fuchs lieferte das Gemälde im Auftrag ihres Vaters zweimal zur Auktion bei Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus in Berlin ein. 1937 blieb es unverkauft, im Juni 1938 wurde es bei einem Schätzpreis von 4.000 RM wohl für 1.500 bis 1.700 RM an einen unbekannten Käufer versteigert. Nach aktuellem Forschungsstand ist hier von einem Verkauf unter Wert auszugehen. Das Kunstwerk wurde erst 1949 wieder aktenkundig als Aktivum der Firma Chiron-Werke in Tuttlingen an der Donau. Alleininhaber und Geschäftsführer der Firma war Otto Stäbler (1890-1955), aus dessen Vermächtnis die Staatsgalerie das Triptychon im Jahr 1956 erhielt. Als NS-verfolgungsbedingter Entzug identifiziert. Das Gemälde wurde an die rechtmäßigen Erbinnen und Erben im Jahr 2024 zurückgegeben.

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