Neuerwerbungen 2021

Ulrike Ottinger

Ulrike Ottinger, Maison clouée du papillon, 1965, Staatsgalerie Stuttgart, © Ulrike Ottinger
Ulrike Ottinger, Maison clouée du papillon, 1965, Staatsgalerie Stuttgart, © Ulrike Ottinger

Ulrike Ottinger ist eine der aktuell einflussreichsten Künstlerinnen aus Baden-Württemberg. Ottinger ist eine international anerkannte Malerin, Fotografin, Autorin, Film- und Theaterregisseurin. Sie begann als Künstlerin und machte sie sich zuerst einen Namen als Pop-Art-Malerin in Paris, wo sie zwischen 1962 und 1968 lebte.

Die spät wiederentdeckte Künstlerin erweist sich als eine der bedeutendsten Repräsentantinnen der Pop Art in Europa und damit als unverzichtbare und entscheidende Ergänzung des Bestands der Staatsgalerie. Die Pop Art bildet ein wesentliches Teil der Identität unserer Sammlung: Künstler wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Richard Hamilton und Allen Jones sowie Vertreter des Kapitalistischen Realismus wie Gerhard Richter und Sigmar Polke mit ihrer westdeutschen Variante der britischen und amerikanischen Pop Art zählen zu den wichtigsten Positionen innerhalb der zeitgenössischen Sammlung. Die Werke Ottingers setzen sich in einem spannenden Dialog mit anderen sich schon in unserem Bestand befindenden Arbeiten wie z.B. diejenige von Uwe Lausen, der mit seiner höchst eigenständigen Verarbeitung der ab 1964 auch in Deutschland sehr präsenten Pop Art zu den stärksten Positionen der figurativen Malerei der 1960er-Jahre in Deutschland zählt.

Die großformatige, 12-teilige Arbeit »Bande dessinée« (1967) ist eines ihrer Hauptwerke, die in Paris entstanden sind und Ottingers Pop Art-Phase belegen. Als Vorlage für diese malerische Komposition hat sie Motiven aus der Werbung und aus Zeitschriften genutzt. Zudem wurden fünf selbst aufgenommene Schwarzweißfotografien als Inspirationsquelle verwendet. Diese inszenierten Bilder zeigen Ottingers Freunde in lustigen Posen oder Alltagsszenen, die sie dann in einer neuen malerischen Erzählung verarbeitet.

Alltägliche Szenen sind auch ein wiederkehrendes Sujet in Ottingers Siebdrucken der 1960er-Jahre, die oftmals mit Kriegsmethapern befrachtet (Bomben und Rakete, Düsenjets, Uniformierte) werden. Solche Gewalt evozierenden Bildelemente mischt Ottinger bewusst mit Lifestyle-Produkten (wie Telefon, Staubsauger, Quirl, Sprayflasche, Rasierschaumwerbung). Die Fetischisierung der Warenwelt wie das Auslagern des Grauens in andere Weltregionen führt sie uns als zwei Seiten einer Medaille eindrucksvoll vor Augen.

Weitere neu erworbene Werke

Ulrike Ottinger, Bande dessinée, 1967, Staatsgalerie Stuttgart, © Ulrike Ottinger
Ulrike Ottinger, Bande dessinée, 1967, Staatsgalerie Stuttgart, © Ulrike Ottinger
Ulrike Ottinger, Dynamo, 1966/67, Staatsgalerie Stuttgart, © Ulrike Ottinger
Ulrike Ottinger, Dynamo, 1966/67, Staatsgalerie Stuttgart, © Ulrike Ottinger
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