Schauatelier Wüstenrot Stiftung

Unsere Restauratorinnen und Restauratoren leisten eine wichtige Arbeit im Museum, doch meist bleibt sie für den Besucher unsichtbar. Als größtes Kunstmuseum in Baden-Württemberg arbeiten bei uns Spezialisten für die Restaurierung von Papier, Malerei, Skulpturen und neue Medien. Dank der Wüstenrot Stiftung kann unser Publikum an diesem spannenden Prozess teilhaben: Das Schauatelier bietet in Halle I im Steib-Bau während der Öffnungszeiten des Museums hierzu Einblicke.

Anhand unterschiedlicher Projekte, die im Schauatelier sichtbar restauriert werden, erfahren Sie mehr über eine der bislang meist unsichtbaren Hauptaufgaben des Museums, das »Bewahren«.

Schauatelier Wüstenrot Stiftung

Aktuelle Projekte

Mitte November 2018 bis Ende März 2019: Werke zu Giovanni Battista Tiepolo, Untersuchung der Malschichten

Ende Juli 2019: Restaurierung Jan Griffier, »Flußlandschaft«

April bis September 2019: Restaurierung Nam June Paik, »Beuys Hat«

 

 

Das Schauatelier wurde ermöglicht durch die

Wüstenrot Stiftung

Das Schauatelier Wüstenrot Stiftung bietet in Halle I im Steib-Bau während der Öffnungszeiten des Museums (außer am Wochenende und an Feiertagen) Einblicke für die Besucher der Sammlung. 

Abgeschlossene Projekte

Kiefer: Glaube, Hoffnung, Liebe

Kiefers Werk »Glaube, Hoffnung, Liebe« (1973) ist seit 1982 Teil der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart. In Vorbereitung für die Ausstellung »Die jungen Jahre der Alten Meister. Baselitz – Richter – Polke – Kiefer« in Stuttgart sowie für die Ausleihung an die zweite Station der Ausstellung in den Deichtorhallen Hamburg, wurde das Werk von Februar bis Ende März 2019 im Schauatelier Wüstenrot Stiftung restauriert. 

Das großformatige Gemälde besteht aus drei miteinander verbundenen Gewebebahnen, auf denen nach der Grundierung die Zeichnung mit Kohle erfolgt ist. Zentral im Bild ist ein aufgeklebter Karton sichtbar, auf den der Künstler Hasenblut aufgebracht hat.

Die Größe des Werkes lenkt in diesem Fall von dessen Fragilität ab. Bei näherem Hinsehen wurden zahlreiche Stellen sichtbar, in denen die Farbschicht zum Teil stark aufstand. Um Farbschichtverlusten vorzubeugen, besonders in Hinblick auf die kommende Ausstellung und die Ausleihe, erfolgte die ausführliche Festigung der abstehenden Schicht mit einem reversiblen Klebemittel. Mittels eines Heißluftgeräts mit sehr präziser Luftdüse konnten kleinste Farbschichtpartikel erwärmt, niedergelegt und befestigt werden.

Das restaurierte Werk ist von 12.4. bis 11.8.2019 in der Ausstellung zu sehen.

 

 Lydia Schmidt, Diplom Restauratorin

 

Anselm Kiefer, Glaube, Hoffnung, Liebe, 1973, Restaurierung im Schauatelier Wüstenrot Stiftung, Staatsgalerie Stuttgart © Anselm Kiefer 2019
Anselm Kiefer, Glaube, Hoffnung, Liebe, 1973, Restaurierung im Schauatelier Wüstenrot Stiftung, Staatsgalerie Stuttgart © Anselm Kiefer 2019

Brian O´Doherty: Portrait of Marcel Duchamp

Seit 2005 befindet sich Brian O’Dohertys »Portrait of Marcel Duchamp« (1966) als Sammlungsobjekt in der Staatsgalerie Stuttgart. Zuletzt konnte es in der Ausstellung »Marcel Duchamp - 100 Fragen. 100 Antworten.« vom 23.11.2018 bis 10.3.2019 erlebt werden.

Von September bis November 2018 wurde die kinetische Lichtskulptur in unserem Schauatelier Wüstenrot Stiftung restauriert. Als Vorarbeit wurde ein Gespräch mit dem Künstler im Dezember 2017 geführt sowie eine theoretische Abschlussarbeit zum Objekt betreut.
Ein poröser Antriebsriemen und eine ausgeleierte, bemalte Plastikschlaufe hatten das Werk zum Erliegen gebracht. Aufgrund der fragilen Zusammensetzung der Werkkomponenten und deren wechselseitig abhängigem Zusammenspiel, mussten nach akribischer Recherche Bestandteile ersetzt und zum Zwecke der Präsentation reproduziert werden. Ausgiebige Laufzeittests mussten hinsichtlich einer musealen Aufführung ebenfalls geführt werden.
Nach Abschluss der Maßnahmen konnte der Herzschlag Duchamps – zumindest temporär – in der Staatsgalerie »pochen«.

 

Arnaud Obermann, M.A. Rest. für Medienkunst
BRIAN O’DOHERTY, Portrait of Marcel Duchamp, 1966, Detailaufnahme Vorzustand, © Brian O'Doherty. All rights reserved
BRIAN O’DOHERTY, Portrait of Marcel Duchamp, 1966, Detailaufnahme Vorzustand, © Brian O'Doherty. All rights reserved

Lehmbruck: Die Große Sinnende

Von März bis Juli 2018 wurde die »Große Sinnende « von Wilhelm Lehmbruck in unserem Schauatelier Wüstenrot Stiftung restauriert.

Grund für die Untersuchung und Restaurierung waren die das Gesamtbild der Skulptur entstellenden Verschmutzungen sowie ein ausgeprägtes Netz von Sprüngen und Rissen in der gegossenen Skulptur.
Um erstmalig einen realistischen Eindruck zur Stabilität der Skulptur zu erhalten, wurde sie mittels einer mobilen Röntgenanlage »durchleuchtet«. Jetzt war erkennbar, dass in ihrem Innern Armierungseisen verwendet wurden und wo sich diese befinden.
Naturwissenschaftliche Analysen des Gussmaterials sowie vereinzelter Fassungsreste belegten auch, dass die Figur einmal komplett rosafarben war und mehrmals überarbeitet wurde. Nach den Untersuchungen konnten die Verschmutzungen sowohl mit Lasertechnik als auch mit feuchtem Mikroporenschwamm reduziert und störende Verfärbungen mit Aquarell retuschiert werden.

Die »Große Sinnende« sinnt und erst eine gewisse formale Ungestörtheit ermöglicht das Sinnen als Aspekt des In-sich-Geschlossenen wahrzunehmen, das Lehmbruck der Plastik gegeben hat. Betrachten Sie das Ergebnis der Restaurierung in unserer Sammlung, wo die Große Sinnende nun zu sehen ist.

 

Wir danken dem Restaurator Peter Bux. Weitere Informationen zur Restaurierung der »Großen Sinnenden« finden Sie im Katalog zur Ausstellung.
Vorzustand bis März 2018, Endzustand, Montage der Röntgenaufnahmen © Staatsgalerie Stuttgart / Peter Bux
Vorzustand bis März 2018, Endzustand, Montage der Röntgenaufnahmen © Staatsgalerie Stuttgart / Peter Bux

Beuys: Plastischer Fuß – Elastischer Fuß

Im Rahmen des Schauateliers Wüstenrot Stiftung wurde von Mitte März bis Ende August 2018 die Installation »Plastischer Fuß – Elastischer Fuß« (1969) von Joseph Beuys restauriert.

Vor dem Aufbau in der Staatsgalerie im Jahr 1984 hatte Beuys dieses Kunstwerk an mehreren Orten in unterschiedlichen Variationen präsentiert. Die erste Phase der aktuellen Restaurierung beinhaltete daher umfangreiche Quellenforschung. Es galt zu klären, wie der Künstler die Elemente an den Ausstellungsorten Düsseldorf, Stockholm, Basel, Paris und schließlich in der Staatsgalerie variierte, welche Elemente er neu hinzufügte und ob er Beschädigungen reparierte.

In der zweiten Phase wurde untersucht, wie die Materialien, u.a. Kautschuk, Filz, Stahlplatten und Fett gealtert sind, und ob es zu Veränderungen gekommen ist, die die künstlerischen Intentionen entstellen.

Eine solche der künstlerischen Intention zuwider laufende Veränderung lag bei »Elastischer Fuß« vor, dessen Lufttasche seit Jahren ungefüllt und platt war.

Um die plastische Qualität des elastischen Materials Kautschuks  wieder sichtbar zu machen, wurde ein neuer Innenschlauch angefertigt und in die Tasche eingesetzt. Diese kann nun – ganz im Sinne des Künstlers – mit Luft gefüllt werden und die Gummitasche bildet wieder ein plastisches Volumen aus.

Auch der wiederholte Auf- und Abbau der Installation hat die Materialien stark beansprucht. Eine spröde Masse aus Zement und Patex, mit der Beuys die horizontalen Verklebungen am »Elastischer Fuß« überdeckte, ist partiell abgefallen und gelockert. Ihre Haftung  auf der Gummiplane wurde jetzt verstärkt, um so die originale Substanz für die Zukunft zu sichern.

Kompliziert lag der Fall bei »Plastischer Fuß«, einer großen Filzbahn  mit einer Tasche am unteren Ende. Diese wurde von Beuys mit sogenannter »Zinksalbe« gefüllt. Seit Jahren sickert eine 'ölige' Flüssigkeit durch den Filz auf die Bodenplatte.

Beuys selbst hatte in Fällen, bei denen Fett unkontrolliert auslief, interveniert; gleichzeitig hatte er aber bei »Plastischer Fuß« auf eine dichte Innenverpackung verzichtet und so das Eindringen des Fettes in den Filz ermöglicht.

Für die Restaurierung ergab sich daraus die Konsequenz, die Durchdringung des Filzes mit Fett zu akzeptieren und gleichzeitig ein unbegrenztes unkontrolliertes Auslaufen des Fettes zu verhindern.

Zum Abschluss wurden die Oberflächen der Stahlplatten und der stark eingestaubten LKW Batterien gereinigt.

 
Maike Behrends, Diplom-Restauratorin
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