Provenienzforschung

Auf der internationalen Konferenz über Holocaust-Vermögenswerte in Washington im Jahr 1998 wurden 11 Prinzipien zum Umgang mit Raubkunst in öffentlichen Museen verabschiedet. Diese Prinzipien fordern im Wesentlichen „faire und gerechte Lösungen“ jenseits juristischer Fristen und mehr Transparenz in diesen Fragen. Seit 1998 werden die öffentlichen Museen zunehmend mit der Frage konfrontiert, ob sich in ihren Beständen verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut befindet. Sowohl die Öffentlichkeit als auch die Erben von Sammlern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt worden waren, fordern Transparenz und Rechenschaft. Im Oktober 2009 wurde bei uns eine eigene Stelle für Provenienzforschung geschaffen. Frau Dr. Anja Heuß prüft seitdem nicht nur die Ansprüche auf Kunstwerke, sondern sucht auch selbständig nach Problemfällen und arbeitet die Provenienzen des Sammlungsbestandes auf. Zunächst kofinanziert vom Land Baden-Württemberg und der Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin, wird diese Stelle seit 2013 vom Land Baden-Württemberg allein getragen. Aus unserer Sammlung wurden seit der Washingtoner Erklärung insgesamt 9 Gemälde und Zeichnungen restituiert. Diese Werke befinden sich - bis auf eine Ausnahme - nicht mehr im Hause. Das Gemälde von Alexander Kanoldt »Stilleben mit Gitarre«, das 1935 vom Galerieverein erworben worden war und 2008 an die Erben des Breslauer Sammlers Ismar Littmann restituiert wurde, konnte 2014 aus dem Handel zurückerworben werden und hängt seitdem in unserer Sammlung. In 6 weiteren Fällen wurden Entschädigungen an die berechtigten Erben ausgezahlt, so dass insgesamt 7 Werke in unserer Sammlung gehalten werden können. Seit 2009 wurden mehrere Ansprüche auf Restitutionen geprüft. Darunter befanden sich unter anderem 7 Werke von Paul Klee, Ernst Barlach und Willi Baumeister, die ursprünglich im Besitz des Kunsthändlers Alfred Flechtheim gewesen waren. Diese Ansprüche erwiesen sich als unberechtigt. Aus den Recherchen verschiedener Museen zum Fall Alfred Flechtheim entstand eine gemeinsame Ausstellung. Der Forderung nach mehr Transparenz kamen wir nach, indem wir 2015 erstmals einen Audioguide zur Provenienzforschung erstellten, der 11 prominente Provenienzen der Sammlung vorstellt und vermittelt. Dieser Audioguide ist an der Kasse erhältlich.

Ansprechpartnerinnen:

Johanna Poltermann
T +49 711 470 40-462
j.poltermann@remove-this.staatsgalerie.de

Dr. Anja Heuß
T +49 711 470 40-462
a.heuss@remove-this.staatsgalerie.de

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