Erschließung des Archivs Oskar Schlemmer

Oskar Schlemmer, Schon wieder Krieg? (1918?), Tinte und Bleistift auf Papier, Staatsgalerie Stuttgart

Gegenstand des Projektes ist die Erschließung der Bestände des »Archivs Oskar Schlemmer «. Wir verwalten den schriftlichen Nachlass seit 1974 als Eigentum des Landes Baden-Württemberg. 1888 in Stuttgart geboren, studierte Schlemmer an der Kunstakademie in Stuttgart, war 1912 Meisterschüler von Adolf Hölzel und erhielt 1920 einen Ruf an das Bauhaus nach Weimar. Seine Kunst wurde unter den Nationalsozialisten als »entartet« eingestuft und aus deutschen Museen entfernt. 1943 verstarb Schlemmer in Baden-Baden. Nach der Überstellung des Nachlasses wurde der Bestand durch Arbeiten zum Werkverzeichnis, Publikationen, Zeitschriften etc. angereichert. Mit dem laufenden Projekt soll das Archiv insbesondere eine solide Datenbasis erhalten.

Die Schriften des Archivs Oskar Schlemmer umfassen die Jahre 1899 bis 1943. In Form von Briefen, Manuskripten, Notizen, Vorträgen, Skizzen, Aufsätzen und Tagebüchern gewähren sie Einblick in Schlemmers Lebensumstände, Weltanschauung und Kunstphilosophie. Schon im Alter von zehn Jahren korrespondiert Oskar mit seinen Eltern in Stuttgart, berichtet von den Begebenheiten aus seiner Schulzeit in Göppingen, seinen Ausflügen in die dortige Umgebung oder kleinen Basteleien (z.B. »Physikalisches Kabinett für experimentelle Versuche«). Die liebevollen Briefe an seine Familie lassen einen überaus wachen und aufmerksamen Geist erkennen. Sein sensibles Gespür ist durch die Feder stets zu spüren, sei es in den Briefen aus seiner frühesten Jugend, später den Kriegstagebüchern aus dem 1. Weltkrieg oder seinem Korrespondenznetzwerk zu Persönlichkeiten aus Politik und Kultur (Walter Gropius, Paul Klee, Johannes Itten, Willi Baumeister, Gunta Stölzl, etc.).

Für die Forschung sind die Schriften ein Pool an neuem Quellenmaterial, sie dokumentieren Schlemmers Rolle als Vordenker, Impulsgeber, Kritiker und Pionier der Bauhausbewegung. Die Erschließung und Inventarisierung der Archivalien ist Grundlage für eine nachfolgende - in Planung befindliche - Digitalisierungskampagne und Onlinepublikation des Kernbestandes. Forschern und der Öffentlichkeit wird dadurch zukünftig ein leichter Zugang zu den Quellen ermöglicht.

Oskar Schlemmer, liebster tutsch- war das aber einmal ein großer schreibebrief (1930), maschinenschriftlich auf Papier, Staatsgalerie Stuttgart

In den Manuskripten begegnen wir einem Künstler, der das Weltgeschehen reflektiert und sich in Kunstfragen vertieft. Schlemmer formuliert Konzepte für das Bauhaus, er feilt an seiner Idee einer neuen Welt für den neuen Menschen. Persönliche Dokumente und Briefe, die er aus Dessau an seine Frau Tut Schlemmer schickt, schildern eindrücklich sein Wirken im Kulturbetrieb der Weimarer Republik. Zudem überraschen die Briefwechsel mit glühenden Ideen.

Das Forschungsprojekt wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.

Laufzeit:
1.1.2015 - 14.8.2017

Ansprechpartner:

Dr. Elke Allgaier
Projektleitung
T +49 711 470 40 276
e.allgaier@remove-this.staatsgalerie.de

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