TIEPOLO

Der beste Maler Venedigs


11.10.2019 - 2.2.2020

Giovanni Battista Tiepolo, Der heilige Jakobus der Ältere, 1749–50, Öl auf Leinwand, 317 x 163 cm, Budapest, Szépművészeti Múzeum, © Szépművészeti Múzeum - Museum of Fine Arts Budapest 2019

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Pressetext

»Der beste Maler Venedigs« – so wurde Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770) von seinen Zeitgenossen gefeiert. Anlässlich seines 250. Todestags widmet die Staatsgalerie dem wohl bedeutendsten Vertreter der Malerei des 18. Jahrhunderts in Italien eine umfangreiche Ausstellung. Erstmals im deutschsprachigen Raum eröffnet die Schau den Blick auf die gesamte Schaffenszeit des Künstlers und macht die Vielfalt seines Œuvres anschaulich – von eleganten Gemälden aus Mythologie und Geschichte über dramatische religiöse Bilder bis zu Karikaturzeichnungen und Radierungen.

Zu sehen sind rund 120 Werke, darunter 25 Gemälde, über 50 Zeichnungen und mehrere Radierungsfolgen. Ausgehend vom bedeutenden Tiepolo-Bestand der Staatsgalerie versammelt die Ausstellung kostbare internationale Leihgaben und verfolgt den Weg Tiepolos durch Europa anhand exemplarischer Werke. Die Ausstellung wird durch herausragende Leihgaben aus Europa und Übersee unterstützt. Zu den Leihgebern zählen unter anderem die Accademia in Venedig, der Pariser Louvre, das Museum of Fine Arts in Montreal und das Metropolitan Museum in New York.

In Venedig geboren, avancierte Tiepolo bald zu einem der berühmtesten Künstler seiner Zeit, der in seiner Heimat ebenso geschätzt wurde wie in Würzburg, Stockholm, Sankt Petersburg und Madrid. Mit seinen prachtvoll inszenierten Bildern von brillanter Farbigkeit stellte sich Tiepolo in die ruhmreiche Tradition der venezianischen Malerei. Zugleich fanden Humor und Ironie Eingang in seine Bilderwelten und zeugen von dem Wertewandel, der sich in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts vollzog. Unkonventionell aufgefasste Bilderzählungen, überraschend aufgebaute Kompositionen und mehrdeutig eingesetzte Einzelmotive wirken als Techniken der Verfremdung und fordern traditionelle Bildvorstellungen heraus. An der Zeitenwende zur Aufklärung weisen Tiepolos Werke auf Darstellungsstrategien voraus, die sich über Francisco de Goya bis in die Moderne beobachten lassen.

Einen aktuellen Zugang eröffnen vier Interventionen des 1964 geborenen Foto- und Videokünstlers Christoph Brech, die die Staatsgalerie im Dialog mit Tiepolo zeigt. Drei dieser multimedialen Arbeiten wurden eigens für die Ausstellung produziert.

Tiepolo. Der beste Maler Venedigs

Die Ausstellung verfolgt Tiepolos europäische Karriere in locker chronologischer Anordnung. Dabei liegt der Fokus immer wieder auf Werken des Meisters, die das Spiel mit der Wahrnehmung des Betrachters aufnehmen.

1696 in Venedig geboren, ist Tiepolo bereits im Alter von 21 Jahren als Mitglied der Fraglia, der örtlichen Malergilde verzeichnet. Um 1724/25 schuf er im Palazzo Sandi in Venedig sein erstes Deckenfresko, das die »Macht der Beredsamkeit«, der Redekunst verherrlicht. In der Ausstellung ist dieses wichtige Frühwerk durch die vorbereitende Ölskizze vertreten, eine Leihgabe des Courtauld Institute in London.

Programmatisch ist das wohl 1725/30 entstandene Gemälde »Apelles malt das Bildnis der Campaspe«, das aus Montreal in die Staatsgalerie gereist ist. Hier nimmt Tiepolo den Berufsstand des Malers kritisch in den Blick: Apelles, der im Dienst des Königs Alexander der Große steht, erfährt als Hofkünstler nur vermeintlich gesellschaftliche Wertschätzung. In Wahrheit bleibt er aus dem Kreis der Mächtigen ausgeschlossen: Er ist mit seiner Staffelei in einen dunklen Bereich des Palastes verbannt worden. Alexander und Campaspe dagegen thronen auf einem hell erleuchteten Podest.

Ähnlich witzig und ironisch ging Tiepolo in einer Reihe von Kabinettbildern mit den Mythen des Ovid und deren Jahrhunderte alter Darstellungstradition um. Dazu zählen »Der Raub der Europa« und »Diana und Aktäon« aus den Gallerie dell’Accademia in Venedig oder »Apoll und Daphne« aus dem Pariser Louvre.

In den 1730er und 1740er Jahren wird Tiepolo in ganz Oberitalien zu einem gefragten Künstler; in dieser Zeit entsteht das »Bildnis des Antonio Riccobono«, das sich bis heute an seinem Bestimmungsort befindet, der Accademia dei Concordi in Rovigo bei Padua. Die lebendige Darstellung des Gelehrten, die mehr als 100 Jahre nach dessen Tod entstand, ist eines der seltenen Beispiele für Tiepolos Betätigung als Porträtmaler.

Ebenfalls wenig präsent sind in der öffentlichen Wahrnehmung die religiösen Werke des Meisters, die zu seinen eindrücklichsten Bildschöpfungen zählen. Die Ausstellung widmet diesem Aspekt ein eigenes Kapitel. Highlight ist das über drei Meter hohe Leinwandbild, das den »Heiligen Jakobus« zeigt, eine Leihgabe des Szémüvészeti Muzeum in Budapest und unser Hauptmotiv. Politik und Religion werden zu brisanten Themen in diesem Altargemälde, das Tiepolo 1750 für die spanische Botschaft in London schuf – ein Sinnbild für die Machtansprüche des spanischen Weltreichs.

1751–1753 entstand in der Residenz Würzburg eine der bedeutendsten Freskenausstattungen Tiepolos: die Dekoration des Kaisersaals und das Gewölbebild im Treppenhaus. In der Ausstellung ruft ein farbiges Großbanner an der Raumdecke diese wandfesten Gemälde in Erinnerung. Darunter sind die kostbaren Zeichnungen auf blauem Papier ausgestellt, in denen Tiepolo und sein Sohn Giovanni Domenico ihre Bilderfindungen dokumentierten und die sich heute in der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie befinden.

Das letzte Kapitel der Ausstellung ist den Werken gewidmet, die Tiepolo am Ende seines Lebens in Spanien schuf. 1762 war er gegen seinen Willen an den Hof von Madrid berufen worden, um den Palacio Real mit großen Deckenbildern auszustatten. Eine Ölskizze aus dem Metropolitan Museum of Art in New York zeigt die Apotheose der spanischen Monarchie, die als Fresko in der Saleta des Königspalastes umgesetzt wurde.

Eines der ungewöhnlichsten Werke Tiepolos, das er ebenfalls in Spanien malte, befindet sich in der Sammlung der Staatsgalerie: die kleinformatige Darstellung der »Ruhe auf der Flucht nach Ägypten«, die zwischen 1762 und 1770 entstand. Hier wird die Landschaft zum eigentlichen Thema: Die Heilige Familie wirkt verschwindend klein gegenüber den mächtigen Felsen und der Weite des Himmels. Auch ohne Kenntnis der religiösen Geschichte vermittelt sich der Eindruck der Bedrohung, und zwar durch die formale Gestaltung, etwa die bizarren Konturen der Felsen oder die Diagonale des spitzen Nadelbaums. Obwohl es sich nur um Linien und Flächen handelt, lösen sie Empfindungen im Betrachter aus. Hier deutet sich ein Bewusstsein für die Autonomie künstlerischer Mittel an, das auf Goya und die Kunst der Moderne vorausweist.

 

Die Staatsgalerie bedankt sich ausdrücklich bei ihren Sponsoren und Förderern, die diese Ausstellung erst ermöglichen. Ihre Beiträge zu »Tiepolo. Der beste Maler Venedigs« sind hier zusammengestellt:

Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland AG: „Wir fühlen uns für die Gesellschaft und ihrem nachhaltigen Wohlergehen von jeher verpflichtet. Zur Erinnerung an diese Haltung setzen wir ganz bewusst auf die Kraft der Kunst – und verstehen Inspiration als Teil unserer DNA. Kaum zufällig trägt unser Unternehmen den venezianischen Löwen im Wappen: als Zeichen nicht nur unserer Herkunft, sondern auch und vor allem als Ausdruck unserer Verbindung zur Welt und der Kunst, die ihre Kraft an kaum einem anderen Ort Europas so eindrucksvoll demonstriert wie in Venedig. Wir freuen uns sehr, als größter Erstversicherer in Europa diese großartige Ausstellung unterstützen zu können und damit einmal mehr auch die Verbindung zwischen Italien und Deutschland kulturell zu bereichern.“

 „Seit ihrer Gründung unterstützt die Ernst von Siemens Kunststiftung Ausstellungen mit dem Ziel, große Kunst zu erforschen und der Öffentlichkeit nahezubringen. So ist die umfassende Ausstellung »Tiepolo. Der beste Maler Venedigs« in der Staatsgalerie ganz im Sinne ihres Stifters: Erstmals bietet sie dem deutschen Publikum ein Überblick über das gesamte künstlerische Schaffen Tiepolos und damit die Entdeckung der reichen und einzigartigen Bildwelten eines seinerzeit als bester Maler Venedigs betitelten Künstlers.“ freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

„Tiepolo ist ein großartiger Künstler, der vor allem auch durch seine Farbigkeit begeistert. Was mich jedoch an diesem außergewöhnlichen Künstler besonders fasziniert, ist seine Zeichenkunst, insbesondere die Karikaturen, die mit sicherem Strich und Gespür die Dargestellten lebendig werden lässt. Gern hat die Rudolf-August Oetker-Stiftung daher ein weiteres Mal Fördermittel für ein Ausstellungsprojekt der Staatsgalerie Stuttgart zur Verfügung gestellt“, erklärt Dr. Monika Bachtler, geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied der Rudolf-August Oetker-Stiftung.

 

In Kooperation mit SWR2 ist eine Aufnahme mit Instrumental- und Vokalmusik von Zeitgenossen Tiepolos entstanden, darunter Werke von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel. Dieses eigens für die Ausstellung produzierte Musikprogramm wird im Rahmen eines Konzerts präsentiert werden und untermalt den Audioguide zur Ausstellung.

„Im Rahmen der langjährigen und intensiven Kulturpartnerschaft mit der Staatsgalerie Stuttgart hat es sich SWR2 zur Aufgabe gemacht, die Musik, die Tiepolo vermutlich gehört hätte, in einer Musikliste zusammenzustellen, die auch im Audioguide des Museums zu hören sein wird. Dieses außergewöhnliche Projekt sowie die gesamte Ausstellung werden in unserem Kulturprogramm umfassend und multimedial begleitet und somit einer breiten kulturinteressieren Hörerschaft vermittelt“, so Dr. Wofgang Gushurst, SWR2 Programmchef.

 

Der Ausstellungskatalog erscheint im Sandstein Verlag, Dresden.

Parallel findet im Graphik-Kabinett die Ausstellung »La Serenissima. Zeichenkunst in Venedig vom 16. bis 18. Jahrhundert« statt.

Logos der Sponoren der Ausstellung Tiepolo
Giovanni Battista Tiepolo, Der heilige Jakobus der Ältere, 1749–50, Öl auf Leinwand, 317 x 163 cm, Budapest, Szépművészeti Múzeum, ©Szépművészeti Múzeum - Museum of Fine Arts Budapest 2019
Giovanni Battista Tiepolo, Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, ca. 1762/70, Öl auf Leinwand, 55,5 x 41,5 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Giovanni Battista Tiepolo, Rinaldo und Armida im Zaubergarten, um 1752, Öl auf Leinwand, 105 x 140 cm, Residenz Würzburg, © Bayerische Schlösserverwaltung
Giovanni Battista Tiepolo, Rinaldo verlässt Armida, um 1752, Öl auf Leinwand, 106 x 140 cm, Residenz Würzburg, © Bayerische Schlösserverwaltung
Giovanni Battista Tiepolo, Apoll führt dem Genius Imperii die Kaiserliche Braut zu (Ölskizze für das Deckenfresko im Kaisersaal der Residenz Würzburg), 1751, Öl auf Leinwand, 65,3 x 106,5 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Giovanni Battista Tiepolo, Rückenakt eines sitzenden Mannes mit Schilfkranz im Haar, 1751, Rötel und weiße Kreide auf blauem Papier, 34,4 x 28 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung
Giovanni Battista Tiepolo, Kniender Mann mit Sonnenschirm, 1752, Rötel und weiße Kreide auf blauem Papier, 37,5 x 26,5 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung
Giovanni Battista Tiepolo, Apoll und Daphne, ca. 1743/45, Öl auf Leinwand, 96 x 79 cm, Paris, Musée du Louvre, © bpk | RMN - Grand Palais | Franck Raux
Giovanni Battista Tiepolo, Apelles und Campaspe, um 1725/30, Öl auf Leinwand, 57,4 x 84,2 cm, The Montreal Museum of Fine Arts, Adaline Van Horne Bequest, © Photo MMFA, Christine Guest
Giovanni Battista Tiepolo, Raub der Europa, um 1720/23, Öl auf Leinwand, 101 x 135 cm, Venedig, Gallerie dell’Accademia ©bpk / Scala - courtesy of the Ministero Beni e Att. Culturali
Giovanni Battista Tiepolo, Karikatur eines sitzenden, verwachsenen Mannes (auf dem Nachtstuhl?), ca. 1750/60, Feder und Pinsel in Braun, laviert, 13,3 x 10,2 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett ©bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders
Christoph Brech, God will be their Light, 2019, 1-Kanal-Video (Farbe/Ton), Still, 16:9 4K, 3´47´´, Deutschland, © Christoph Brech in Koproduktion mit Staatsgalerie Stuttgart
Christoph Brech, Scuola Grande dei Carmini, Venezia, 2019, Fineartprint, 133 x 200 cm, © Christoph Brech in Koproduktion mit Staatsgalerie Stuttgart
Ausstellungsansicht "Tiepolo. Der beste Maler Venedigs"
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