8.12.2017 - 2.4.2018

Der Meister von Meßkirch

Katholische Pracht in der Reformationszeit
Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2017

 

 

Meister von Meßkirch, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1535/38, Detail aus der Mitteltafel des ehemaligen Hochaltars von St. Martin in Meßkirch, Meßkirch, Pfarrkirche St. Martin, © Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Meister von Meßkirch, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Detail aus der Mitteltafel des ehemaligen Hochaltarretabels von St. Martin in Meßkirch, um 1535/40, Nadelholz, 165,7 x 92,8 cm, Meßkirch, Pfarrkirche, © Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Meister von Meßkirch, Die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Mitteltafel des ehemaligen Hochaltarretabels von St. Martin in Meßkirch, um 1535/40, Nadelholz, 165,7 x 92,8 cm, Meßkirch, Pfarrkirche, © Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Meister von Meßkirch, Entwurf für das Rahmenwerk des ehemaligen Hochaltars von St. Martin in Meßkirch, um 1535, Basel, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, © Kunstmuseum Basel – Martin P. Bühler
Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar, Madonna mit den vierzehn Heiligen des Zimmernschen Hauses (geöffneter Zustand), 1536, Mischtechnik auf Tannen- und Nadelholz, 64 x 60 cm (Mitteltafel), 68,6 x 28,2 cm (linker Drehflügel), 68,5 x 28,3 cm (rechter Drehflügel), Staatsgalerie Stuttgart
Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar: Madonna mit den vierzehn Heiligen des Zimmernschen Hauses (Mitteltafel), 1536, Mischtechnik auf Nadelholz, 64 x 60 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar (Madonna mit den vierzehn Heiligen des Zimmernschen Hauses), Hl. Martin, Detail aus der Mitteltafel, 1536, Mischtechnik auf Nadelholz, 64 x 60 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar: Abschied Christi von seiner Mutter, Christus am Ölberg und die Gefangennahme Christi (von links nach rechts, in geschlossenem Zustand); 1536, Mischtechnik auf Nadelholz, 68x 28 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar: Kniender Stifter Graf Gottfried Werner von Zimmern, Innenseite, 1536, Tannenholz, 68 x 28 cm Stuttgart, Staatsgalerie Stuttgart, © Staatsgalerie Stuttgart
Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar: Kniende Stifterin Gräfin Apollonia von Zimmern, geb. von Henneberg (Innenseite); 1536, Mischtechnik auf Nadelholz, 68 x 23 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Meister von Meßkirch, Verspottung Christi, um 1535/40, Warschau, Nationalmuseum, © Warschau, Nationalmuseum
Meister von Meßkirch, Kreuzigung Christi, um 1530, Schwäbisch Hall, Sammlung Würth, Johanniterkirche, © Sammlung Würth, Inv. 6563, Foto: Horst Ziegenfusz
Lucas Cranach d.Ä. oder d.J., Der gute Hauptmann unter dem Kreuz Christi, 1539, Aschaffenburg, Bayerische Staatsgemäldesammlung – Staatsgalerie im Schloss Johannisburg Aschaffenburg, © Bayerische Staatsgemäldesammlung, Foto: Sibylle Forster

Meister von Meßkirch, Der Heilige Benedikt als Einsiedler im Gebet, um 1540, Mischtechnik, Tannenholz, 106 x 75 cm, Staatsgalerie Stuttgart

Heinrich Füllmaurer und Umkreis, Gothaer Tafelaltar, Mitteltafel, 1539/41, Gotha, Herzogliches Museum, © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Fotograf: Lutz Ebhardt
Heinrich Füllmaurer und Umkreis, Jesus lehrt und heilt Kranke in Galiläa, Detail aus der Mitteltafel des Gothaer Tafelaltars, um 1538, Mischtechnik auf Tannenholz, Pappmaché, Gotha, Herzogliches Museum, © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Fotograf: Lutz Ebhardt
Heinrich Füllmaurer und Umkreis, Der Teufel als Versucher, Detail aus Tafel 18 des Gothaer Tafelaltars, um 1538, Mischtechnik auf Tannenholz, Pappmaché, Gotha, Herzogliches Museum, © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Fotograf: Lutz Ebhardt
Hans Baldung Grien, Die Hl. Anna mit dem Christusknaben, der Hl. Jungfrau und dem Hl. Johannes dem Täufer, um 1511, Washington, National Gallery of Art, Samuel H. Kress Collection, 1961.9.62, © Washington, National Gallery of Art
Albrecht Dürer, Maria mit der Sternenkrone, um 1508, Kupferstich, 11,4 × 7,5 cm (Blatt), auf den Plattenrand beschnitten, München, Staatliche Graphische Sammlung München, © Staatliche Graphische Sammlung München
Ludwig Krug (Werkstatt), Balusterpokal mit Landknechtsfigur, um 1520/30, Stuttgart, Landesmuseum Württemberg, Foto: Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch
Blick in die Ausstellung »Der Meister von Meßkirch« mit dem »Wildensteiner Altar«
Blick in die Ausstellung »Der Meister von Meßkirch«
Blick in die Ausstellung »Der Meister von Meßkirch« mit den Tafelbildern, die ehemals die Ausstattung in St. Martin in Meßkirch bildeten. 

Pressetext

Die Staatsgalerie Stuttgart widmet mit 188 Exponaten dem Meister von Meßkirch, einem bedeutenden deutschen Maler der Frühen Neuzeit, die erste umfassende monographische Ausstellung. Ein Großteil seiner Tafelbilder und Zeichnungen befindet sich heute verstreut in Museen und Privatsammlungen Europas und den USA. Vereint in der Großen Landesausstellung, verdeutlichen sie das Wirken des Meisters von Meßkirch und setzen sein Schaffen mit Werken von Künstlern wie Albrecht Altdorfer, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach d. Ä. und Albrecht Dürer in den Kontext seiner Zeit.

Unbekannt sein Name, rätselhaft seine Herkunft. Mehr noch als das Geheimnis um seine Identität ziehen die koloristisch außergewöhnlichen Bilder und die charaktervollen Heiligen des Meisters von Meßkirch in den Bann. Über 90 Tafelbilder des Malers haben sich erhalten. Die weitaus meisten davon entstanden im Auftrag des seit langem ausgestorbenen Adelshauses von Zimmern, dessen Herrschaftsmittelpunkt im oberen Neckar- und Donauraum lag. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erlebte die Adelsfamilie mit der Erhebung in den Grafenstand und dem fortschreitenden Ausbau Meßkirchs zur Renaissanceresidenz ihre Blütezeit.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Rekonstruktion des umfangreichen Altarzyklus der Stiftskirche von St. Martin in Meßkirch, der am Ende des 18. Jahrhunderts gegen eine Neuausstattung ausgetauscht wurde. Mit bis zu zwölf Altären entsteht dort zwischen 1535 und 1540 ein farbgewaltiges Werk gegen die Reformation. Auch wenn etwa ein Drittel des als Einzeltafeln an verschiedene Interessenten verkauften Ensembles aus Hauptaltar und elf Nebenaltären verloren ist, bietet die Ausstellung doch die einzigartige Gelegenheit, diesen Großauftrag als Gesamtkunstwerk zu erfahren. Der Meister von Meßkirch greift die vielfältige Tradition des sakralen Bildes in betont prachtvoller Weise auf und führt sie bewusst mit anachronistischen Elementen weiter. Gewünscht wird dies von seinen altgläubig gebliebenen Auftraggebern Graf Gottfried Werner von Zimmern und seiner Familie, die ihrer prokatholischen Gesinnung mit dem Neubau der Stiftskirche St. Martin in Meßkirch und deren Ausstattung öffentlichkeitswirksam Ausdruck verleihen.

Die goldglänzenden Bilder des Meisters von Meßkirch lassen vergessen, dass zu ihrer Entstehungszeit Europa in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich damals, von Wittenberg ausgehend, die Idee einer Reform der Kirche. Neben Flugblättern und Holzschnitten, die den medialen Kampf gegen die Papstkirche illustrieren, verbildlichen Hauptwerke Cranachs in der Ausstellung die lutherische Lehre.

Der »Gothaer Tafelaltar« kehrt zurück nach Stuttgart

Ein Schlüsselwerk der reformatorischen Kunst ist der »Gothaer Tafelaltar« aus der Werkstatt des Heinrich Füllmaurer, der das Gegenstück zu den Tafeln des Meisters von Meßkirch bildet. Mit 162 Darstellungen gilt der monumentale Flügelaltar, der um 1538 für den württembergischen Regenten Herzog Ulrich geschaffen wurde, als bilderreichstes Werk der Altdeutschen Malerei. Nach 369 Jahren kehrt er nun für die Große Landesausstellung an seinen Bestimmungsort zurück. In der Stuttgarter Ausstellung wird der Altar so präsentiert, dass alle Tafeln gleichzeitig zu sehen sind. Vor dem Hintergrund der in der Reformationszeit kontrovers diskutierten Bilderfrage, kommt dieser monumentalen Lehrtafel mit ihren unverblümten Angriffen auf altgläubige Bildvorstellungen eine besondere Bedeutung zu.

"Die Ausstellung der Werke des Meisters von Meßkirch zeichnet sich durch ihre gelungene Präsentationsform aus", sagt der Schirmherr der Großen Landesausstellung Ministerpräsident Winfried Kretschmann. "In einer spannenden Gegenüberstellung mit Hauptwerken der Reformation werden die Umbrüche der Zeit greifbar."

Prof. Dr. Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie, betont den herausragenden Bestand an Werken des Meisters von Meßkirch in Stuttgart: „Die Große Landesausstellung gründet auf den bedeutenden Werkgruppen des Meisters von Meßkirch, die sich in unserer Sammlung befinden. Bereits 1866 erwarb unser Museum mit der Tafel »Der Hl. Benedikt als Einsiedler im Gebet« von 1540 ein Schlüsselwerk aus der Spätzeit des Künstlers. 2012 gelang es dem Land Baden-Württemberg mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung den »Wildensteiner Altar« anzukaufen, der einen Höhepunkt in unserer Präsentation bildet.“  

Weitere Werke aus dem Bestand der Staatsgalerie, die im Auftrag der Stifterfamilie von Zimmern entstanden, sind die ursprünglich als Drehflügel zum »Falkensteiner Altar« gehörenden Tafeln und weitere fünf Altarflügel von den Nebenaltären von St. Martin in Meßkirch.

Die Große Landesausstellung 2017 Baden-Württemberg steht unter der Schirmherrschaft von Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg.

 

 

gefördert durch

In Kooperation mit der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

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