14.7. - 5.11.2017

The Great Graphic Boom

Amerikanische Kunst 1960-1990

 

 

Roy Lichtenstein, Sweet Dreams, Baby!, 1965, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung © Estate of Roy Lichtenstein/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Presse:

Anette Frankenberger
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Pressetext

Die Staatsgalerie zeigt rund 200 Graphiken von 22 Künstlerpersönlichkeiten, die die unterschiedlichen Stilrichtungen der amerikanischen Druckgraphik von 1960 bis 1990 repräsentieren.

Die Jahrzehnte, die auf den Zweiten Weltkrieg folgten, waren in Amerika durchaus dramatisch: Die Allgegenwärtigkeit der Atombombe, der Kalte Krieg, die McCarthy-Ära, der Stellvertreterkrieg in Vietnam und Watergate bestimmten die Gesellschaft ebenso wie die glamouröse Welt der Hollywood-Stars, die Beatmusik und die Hippiebewegung.

Die Druckgraphik erwies sich als kongeniales Medium, um auf die politischen und sozialen Umwälzungen zu reagieren.

Zu Beginn der 1960er-Jahre entdeckten viele der avantgardistischen US-Künstler das Medium der Graphik für sich. Hierzu gehören Vertreter des Abstrakten Expressionismus, wie Willem de Kooning, Barnett Newman, Jackson Pollock, Robert Motherwell oder Sam Francis, ebenso wie der Minimal Art, etwa in den poetischen Äußerungen von Louise Bourgeois, Agnes Martin, Helen Frankenthaler und Cy Twombly.

Ihnen zur Seite stehen Protagonisten des Hard Edge wie Ellsworth Kelly, Donald Judd und Frank Stella sowie die im gegenständlichen Bereich arbeitenden und zuweilen als Neo Dada bezeichneten Robert Rauschenberg, Jasper Johns und Ed Ruscha. Diese Vorläufer und teilweise Begleiter der Pop Art wiederum inspirierten Roy Lichtenstein, Robert Indiana und Andy Warhol. Aber auch Konzeptkünstler wie John Baldessari und Bruce Nauman oder Bildhauer wie Lee Bontecou und Richard Serra gesellten sich zum Kreis der großen amerikanischen Graphiker.

So verwundert es nicht, dass bereits 1971 die Überschrift zu einem Artikel im Wall Street Journal »The Great Graphic Boom« lautete, denn auch der amerikanische Markt hatte die Möglichkeiten und den Einfluss der Graphik erkannt.

Diese unterschiedlichen künstlerischen Positionen werden in der Ausstellung thematisiert: Die strenge, geordnete, aber dennoch außerordentlich emotionale Welt der Abstraktion steht der nur scheinbar oberflächlichen Gegenständlichkeit gegenüber, die nicht allein vordergründig oder populär ist, sondern sehr wohl engagiert und kritisch sein kann.

Schon in der Vergangenheit diente vor allem die Graphik dazu, religiöse oder politische Inhalte einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Damit wurde sie zu einem wichtigen Kommunikationsmittel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es vor allem die deutschen Expressionisten, die sich intensiv dieser Technik widmeten. Aber auch Pioniere der Druckgraphik wie Paul Gauguin, Edvard Munch und Pablo Picasso wurden zu Vorbildern einer eigenständigen graphischen Kunstform in Amerika.

In den bevorzugten Medien der Lithographie und dem Siebdruck, aber auch mit traditionellen Drucktechniken wie dem Holzschnitt schufen die amerikanischen Künstler eigenständige Kunstformen. Auf Druckgraphik spezialisierte Verlage wie Universal Limited Art Editions (ULAE) in New York, gegründet 1957 von Tatyana Grosman, oder GEMINI G.E.L (Graphic Editions Limited) in Los Angeles spielten dabei eine besondere Rolle, vor allem in ihrem hohen Anspruch an die Druckkunst. Auch die Möglichkeit, nun große Formate zu drucken oder mit Fotomontage und collagenartig zu arbeiten, entsprach den künstlerischen Anforderungen.

Die Stuttgarter Sammlung

Mit rund 1.200 Blättern von über 130 Künstlern gehört die Sammlung der Stuttgarter Staatsgalerie auf dem Gebiet der amerikanischen Graphik mittlerweile zu den international hervorragendsten ihrer Art und ist der Leidenschaft engagierter Kunsthistoriker sowie großartiger Sammler zu verdanken, die das Museum reich beschenkt haben.

Bereits zum Jahreswechsel 1968/69 fand erstmals die Ausstellung »Amerikanische und Englische Graphik der Gegenwart aus der Graphischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart« statt. Sie gehörte zu den Meilen-steinen in der Vermittlung amerikanischer Graphik im Nachkriegsdeutschland, da sie die erste Präsentation mit Werken aus eigenem Bestand war.

Der Erfolg war so außerordentlich, dass die Ausstellung 1973 und 1974, nun ergänzt durch weitere Neuankäufe und einen Katalog, wiederholt wurde und zudem in Augsburg, Hannover und Karlsruhe zu sehen war.

Das intensive Sammeln zeitgenössischer Graphik nach dem Zweiten Weltkrieg, nicht nur aus Amerika, begann mit Erwin Petermann, seit 1945 Leiter der Graphischen Sammlung, der schon 1961 zwei im Jahr zuvor entstandene Lithographien von Sam Francis ankaufte. Sein Nachfolger ab 1963, Gunther Thiem, engagierte sich vor allem im Bereich der Pop Art. Damit wurde der erste Grundpfeiler zur Stuttgarter Sammlung auf diesem Gebiet gelegt.

Zwei besondere Zuwendungen an die Freunde der Staatsgalerie führten den engagierten Beginn weiter:

Konrad Kohlhammer erwarb mit seiner gleichnamigen Stiftung ab 1986 für die  Graphische Sammlung der Staatsgalerie und in Absprache mit  ihren Leitern, bis 1990 Heinrich Geissler sowie bis 2006 Ulrike Gauss, hauptsächlich Graphik von amerikanischen Künstlern. Das besondere Augenmerk lag auf Folgen wie etwa »Numbers« von Jasper Johns oder »18 Cantos« von Barnett Newman, der wohl wichtigsten graphischen Folge, die im Kreis der Abstrakten Expressionisten entstanden ist.

2003 wurde zudem das Vermächtnis Günther und Renate Hauff an die Freunde der Staatsgalerie übergeben. Diese Sammlung zeigt alle Facetten künstlerischer Entwicklung im 20. Jahrhundert, darunter auch aus Amerika, fokussiert aber auf eine einzige druckgraphische Technik, die Radierung mit allen ihren Varianten.

Arbeiten aus beiden Stiftungen sind prominent in der Ausstellung vertreten, womit die Staatsgalerie dem Engagement dieser Sammler eine besondere Wertschätzung entgegenbringt.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Nasjonalmuseet for kunst, arkitektur og design, Oslo, wo 115 Leihgaben aus Stuttgart vom 3.3.bis 28.5.2017 präsentiert wurden. Im Gegenzug sind nun 17 Werke aus Oslo in unsere Ausstellung integriert.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von James W. Herman, III., US-Generalkonsul Frankfurt.

 

 

John Baldessari, Large Door (Große Tür), 1986, Blatt 8 in Hegel’s Cellar, Radierung (Aquatinta, Fotoätzung) auf rohweißem Papier, 50,6 x 97,1 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, Leihgabe der Freunde der Staatsgalerie, © Courtesy of John Baldessari
Sam Francis, The White Line (Die weiße Linie), 1960, Farblithographie auf elfenbeinfarbenem Papier, 90,5 x 63 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © Sam Francis Foundation, California/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Helen Frankenthaler, Savage Breeze (Wilde Brise), 1974, Farbholzschnitt auf elfenbeinfarbenem Japanpapier, 81,5 x 69 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © Helen Frankenthaler Foundation Inc./ VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Donald Judd, Parallelogram Print Red (Parallelogramm rot gedruckt), 1961-1963 / 1968-1969, Farbholzschnitt in Rot (Öldruck) auf rohweißem Papier, 77,5 x 55,8 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © Judd Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Roy Lichtenstein, Sweet Dreams, Baby! (Süße Träume, Baby!), 1965, Farbsiebdruck, 95,5 x 70 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, Leihgabe 1968 Kultusministerium Baden-Württemberg © Estate of Roy Lichtenstein/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Roy Lichtenstein, Crying Girl (Weinendes Mädchen), 1963, Offsetfarblithographie auf elfenbeinfarbenem Papier, 45,9 x 61 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © Estate of Roy Lichtenstein/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Barnett Newman, Canto VII (Gesang VII), 1963, in: 18 Cantos (18 Gesänge), Farblithographie auf rohweißem Papier, 42 x 39,7 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, Leihgabe 1999 der Freunde der Staatsgalerie, © Barnett Newman Foundation/ VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Robert Rauschenberg, Breakthrough II (Durchbruch II), 1965, Farblithographie auf elfenbeinfarbenem Papier, 122,6 x 86,4 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © Robert Rauschenberg Foundation/  VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Ed Ruscha, Green Cheese Mold Standard with Olive (Grüner Käseschimmel Standard mit Olive), 1969, Farbsiebdruck auf elfenbeinfarbenem Papier, 65,4 x 101,6 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © Ed Ruscha
Frank Stella, Star of Persia II (Stern von Persien II), 1967, Farblithographie über Bleistift auf rohweißem kariertem Papier, 66 x 81 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Andy Warhol, Shopping Bag: Campbell’s TOMATO SOUP (Boston) (Einkaufstüte: Campbell’s Tomatensuppe [Boston], 1966, Farbsiebdruck auf elfenbeinfarbenem Papier, 41,5 x 28 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Artists Rights Society (ARS), New York Bitte beachten: Diese Abbildung darf nicht als Covermotiv, sondern nur im direkten Kontext mit dem Artikel abgebildet werden.
Andy Warhol, Liz (Liz Taylor), 1964, Offsetfarblithographie auf rohweißem Papier, 58,9 x 58,9 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, Leihgabe 1968 Kultusministerium Baden-Württemberg, © 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Artists Rights Society (ARS), New York Bitte beachten: Diese Abbildung darf nicht als Covermotiv, sondern nur im direkten Kontext mit dem Artikel abgebildet werden.
Andy Warhol, Jackie II, 1965, Blatt 5 in 11 Pop Artists II, Siebdruck in Schwarz und Violett auf rohweißem Papier, 61 x 76 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © 2017 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./ Artists Rights Society (ARS), New York Bitte beachten: Diese Abbildung darf nicht als Covermotiv, sondern nur im direkten Kontext mit dem Artikel abgebildet werden.
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