5 Fragen an die Direktorin

zur aktuellen Covid-19 Pandemie

Interview mit Prof. Dr. Christiane Lange

 

 

Prof. Dr. Christiane Lange, Direktorin, Foto: Oliver Kröning
Prof. Dr. Christiane Lange, Direktorin, Foto: Oliver Kröning

Frau Lange, seit nun inzwischen 2 Wochen ist die Staatsgalerie wie alle Museen und Kultureinrichtungen in Deutschland geschlossen. Gab es eine solche Situation in der Geschichte des Hauses schon einmal?

Ich glaube, dass eine Schließung sämtlicher Kultureinrichtungen wie wir sie momentan erleben, bisher beispiellos ist. Die Staatsgalerie war allerdings während beider Weltkriege aufgrund von Notstandsgesetzen für einen längeren Zeitraum geschlossen. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg fand aber schon 1945 trotz schwer beschädigter Gebäude, die erste Ausstellung wieder statt.

 

In der letzten Woche hätten die Ausstellungen »Drucksache Bauhaus« und »Ida Kerkovius. Die ganze Welt ist Farbe« stattfinden sollen. Sind die Ausstellungen trotz Schließung fertig geworden?

Ja, beide Ausstellungen sind komplett bis in alle letzten Details fertig gestellt. Kaum hatten wir die letzten Beschriftungen angebracht und die Werke ausgeleuchtet, mussten wir schließen. Das ist sehr schade, denn es sind sehr schöne Ausstellungen mit fantastischen Werken. Das Gute ist, dass wir alles so hängen lassen konnten, wir mussten nur verdunkeln. Wenn wir alle zurück in der Normalität sind, werden wir die Ausstellungen sofort für das Publikum öffnen, mit einer Laufzeit von 3 Monaten.

 

Ihr Team umfasst etwa 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Arbeiten die jetzt auch alle im Home-Office?

In einem Museum wie der Staatsgalerie gibt es ja sehr viele unterschiedliche Berufe und Aufgaben. Die Wissenschaftler und Kuratoren oder auch das Marketingteam können einfacher von Zuhause aus arbeiten als zum Beispiel Restauratorinnen und Restauratoren oder die Sicherheit. Wir agieren da sehr individuell, haben dabei aber vor allem die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Blick.

Aber ich bin selbst überrascht, wie produktiv und zielführend die Arbeit dennoch weitergeht. Wir arbeiten natürlich weiter an allen geplanten Ausstellungen, denn selbst wenn wir die für Sommer und Herbst geplanten Eröffnungen verschieben müssten, können wir diese Sonderschauen nur realisieren, wenn wir jetzt alles dafür vorbereiten. Dafür gibt es tägliche Telefonate und Telefonkonferenzen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der verschiedensten Abteilungen.

 

Gibt es schon Planungen für die Wiederöffnung? Können Sie einschätzen, wann die Besucherinnen und Besucher zurückkommen können?

Jede Prognose ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht. Wir müssen abwarten, wie die Situation sich entwickelt. Wir sind in der glücklichen Lage, dass unsere diesjährigen Ausstellungen ohne große internationale Leihgaben geplant sind. Das schafft uns viel Freiraum und Flexibilität, um das Programm an die Situation anzupassen.

 

Auch Sie wechseln zwischen Home-Office und Büro. Wie müssen wir uns Ihren Arbeitstag im Moment vorstellen? Woran arbeiten Sie und wie halten Sie den Kontakt zu Ihrem Team?

Mein Arbeitstag ist im Prinzip genauso strukturiert wie sonst, nur anstelle der vielen Meetings mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der vielen Termine außer Haus telefoniere ich nun mehr als den halben Tag. Ersatzlos gestrichen, sind derzeit natürlich die vielen Abendveranstaltungen und geben mir Luft mehr zu lesen. Die soeben erschienene Biografie der lange vergessenen Künstlerin Hilma af Klint hätte ich sonst sicherlich nicht so schnell in die Hand genommen.

nach oben