5 Fragen an die Direktorin

zur Öffnung der Staatsgalerie am 12. Mai 2020

Interview mit Prof. Dr. Christiane Lange

 

 

Prof. Dr. Christiane Lange, Direktorin, Foto: Oliver Kröning
Prof. Dr. Christiane Lange, Direktorin, Foto: Oliver Kröning

Frau Lange, am 12. Mai öffnet die Staatsgalerie nach gut acht Wochen der Schließung wieder. Ist es für Sie eine Befreiung wieder in die Normalität zu wechseln?

Befreiung und Normalität sind zwei Begriffe, die mir dazu nicht unbedingt einfallen. Selbstverständlich ist unsere Freude groß, dass wir die Staatsgalerie für die Besucherinnen und Besucher öffnen und vor allem die zwei Sonderausstellungen »Drucksache Bauhaus« und »Ida Kerkovius« endlich zeigen können. Aber wir öffnen mit dem Bewusstsein, dass wir noch keine Normalität leben können. So sind aktuell Führungen nur mit bis zu vier Teilnehmerinnen und Teilnehmern möglich und Veranstaltungen noch verboten. Das ist sehr schade, denn ein Museum ist ein gesellschaftlicher Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um gemeinsam Kunst zu erleben. Im Vergleich aber zu vielen anderen Kulturinstitutionen wie den Theatern, der Oper und der freien Szene sind wir privilegiert überhaupt öffnen zu dürfen.

 

Der Eröffnungstermin ist ja in Abstimmung mit den großen Landesmuseen und städtischen Museen erfolgt. Ab wann haben Sie begonnen, sich auf die Wiedereröffnung vorzubereiten und wie waren die Abstimmungen?

Die Zusammenarbeit zwischen den Museen ist jedem von uns sehr wichtig. Wir verstehen uns als Verbund. Das betrifft vor allem auch die sehr kollegiale Situation in Stuttgart, wo wir im engen Austausch mit den Museen aber auch den Staatstheatern Stuttgart, der HMDK, der Landesbibliothek und anderen Häusern stehen. Wir haben während der ganzen Zeit der Schließung Kontakt zueinander gehalten, uns informiert und ausgetauscht, auch über die Vorbereitungen für eine mögliche Wiedereröffnung. Als es dann konkret um einen Termin ging, waren wir uns sofort einig, dass wir gemeinsam öffnen werden. Als klares Zeichen der Zusammengehörigkeit.

 

Wie haben Sie persönlich die letzten Wochen empfunden?

Für uns alle war die Situation einer so radikalen Schließung sehr verunsichernd. Mit allem was da dran hängt wie die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Auswirkungen auf die laufenden Planungen der kommenden Ausstellungen, die finanziellen Aspekte und vielem mehr. Jeder sitzt in seinem Homeoffice und ist dabei sehr gefordert, kurzfristig vielleicht weitreichende Entscheidungen zu treffen. Da war es einfach auch gut im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen auf Landesebene und auch überregional zu sein.

 

Unter dem Motto KulturtrotzCorona ist die Kultur in den digitalen Raum umgezogen, auch die Staatsgalerie.

Ja, auch wir konnten über die digitalen Medien den Kontakt zu unserem Publikum ein wenig halten. Ich habe mich sehr gefreut, dass unser Team sehr engagiert und mit hoher Qualität eine Reihe von Digitalformaten entwickelt und umgesetzt hat. Dahinter steckt ja sehr viel Arbeit bis ins Detail. Aber, und da mag ich ein wenig altmodisch sein, es ersetzt natürlich nie das Sehen eines Originals.

 

Was glauben Sie, haben die Menschen während der Schließung am meisten vermisst?

Genau diese Frage haben wir über unseren Newsletter gestellt und dazu sehr schöne Rückmeldungen bekommen. Es ist eben einfach so, dass Menschen in ein Museum kommen, um zum einen wirklich ein bestimmtes Kunstwerk zu sehen, oder sich in einer Sonderausstellung neu inspirieren zu lassen. Andere wiederum schätzen die Gemeinschaft und die Atmosphäre im Museum. Zwischen den Zeilen haben wir herausgelesen, dass die Staatsgalerie ein Stück Zuhause für viele Menschen ist.

nach oben