Schauatelier Wüstenrot Stiftung

Unsere Restauratorinnen und Restauratoren leisten eine wichtige Arbeit im Museum, doch meist bleibt sie für den Besucher unsichtbar. Als größtes Kunstmuseum in Baden-Württemberg arbeiten bei uns Spezialisten für die Restaurierung von Papier, Malerei, Skulpturen und neue Medien. Dank der Wüstenrot Stiftung kann unser Publikum an diesem spannenden Prozess teilhaben: Das Schauatelier bietet in Halle I im Steib-Bau während der Öffnungszeiten des Museums hierzu Einblicke.

Anhand unterschiedlicher Projekte, die im Schauatelier sichtbar restauriert werden, erfahren Sie mehr über eine der bislang meist unsichtbaren Hauptaufgaben des Museums, das »Bewahren«.

Schauatelier Wüstenrot Stiftung

Aktuelle Projekte:

16.4. bis Ende Oktober 2018: Restaurierung von Joseph Beuys, »Plastischer Fuß – Elastischer Fuß«, 1969 (nicht im Schauatelier sondern im Beuys-Raum)

1. bis 31. Oktober 2018: Restaurierung von Brian O'Doherty, »Portrait of Marcel Duchamp«

15. Oktober bis 15. November 2018: Restaurierung von Daniel Spoerri / Carlo Schröter, »Suppen-Curriculum«

Mitte November 2018 bis Ende März 2019: Werke zu Giovanni Battista Tiepolo, Untersuchung der Malschichten

 April bis September 2019: Restaurierung Nam June Paik, »Beuys Hat«

 

Abgeschlossene Projekte:

13., 18. - 20., 25. - 28.9.: Restaurierung des Objekts »de ou par MARCEL DUCHAMP our ROSE SÉLAVY (Von oder durch MARCEL DUCHAMP oder RROSE SÈLAVY) / Boîte-en-Valise (Die Schachtel im Koffer )« von Marcel Duchamp, auch »Kleines tragbares Museum« genannt.

August bis September 2018: Konservatorische Arbeiten, Edward Burne-Jones, Perseus-Zyklus

9.3. bis Ende August 2018: Restaurierung von Wilhelm Lehmbruck, Die große Sinnende, 1913

 

 

Marcel Duchamp: de ou par MARCEL DUCHAMP ou RROSE SÉLAVY (Von oder durch MARCEL DUCHAMP oder RROSE SÈLAVY) / Boîte-en-Valise (Die Schachtel im Koffer ), 1941/1966 (Serie F), Staatsgalerie Stuttgart © Association Marcel Duchamp/ VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Restaurierung von Beuys

Im Rahmen des Schauateliers Wüstenrot Stiftung wird von Mitte März bis Ende August die Installation »Plastischer Fuß – Elastischer Fuß« (1969) von Joseph Beuys restauriert.

Vor dem Aufbau in der Staatsgalerie im Jahr 1984 hatte Beuys dieses Kunstwerk an mehreren Orten in unterschiedlichen Variationen präsentiert. Die erste Phase der aktuellen Restaurierung beinhaltete daher umfangreiche Quellenforschung. Es galt zu klären, wie der Künstler die Elemente an den Ausstellungsorten Düsseldorf, Stockholm, Basel, Paris und schließlich in der Staatsgalerie variierte, welche Elemente er neu hinzufügte und ob er Beschädigungen reparierte.

In der zweiten Phase wurde untersucht, wie die Materialien, u.a. Kautschuk, Filz, Stahlplatten und Fett gealtert sind, und ob es zu Veränderungen gekommen ist, die die künstlerischen Intentionen entstellen.

Eine solche der künstlerischen Intention zuwider laufende Veränderung lag bei »Elastischer Fuß« vor, dessen Lufttasche seit Jahren ungefüllt und platt war.

Um die plastische Qualität des elastischen Materials Kautschuks  wieder sichtbar zu machen, wurde ein neuer Innenschlauch angefertigt und in die Tasche eingesetzt. Diese kann nun – ganz im Sinne des Künstlers – mit Luft gefüllt werden und die Gummitasche bildet wieder ein plastisches Volumen aus.

Auch der wiederholte Auf- und Abbau der Installation hat die Materialien stark beansprucht. Eine spröde Masse aus Zement und Patex, mit der Beuys die horizontalen Verklebungen am »Elastischer Fuß« überdeckte, ist partiell abgefallen und gelockert. Ihre Haftung  auf der Gummiplane wurde jetzt verstärkt, um so die originale Substanz für die Zukunft zu sichern.

Kompliziert lag der Fall bei »Plastischer Fuß«, einer großen Filzbahn  mit einer Tasche am unteren Ende. Diese wurde von Beuys mit sogenannter »Zinksalbe« gefüllt. Seit Jahren sickert eine 'ölige' Flüssigkeit durch den Filz auf die Bodenplatte.

Beuys selbst hatte in Fällen, bei denen Fett unkontrolliert auslief, interveniert; gleichzeitig hatte er aber bei »Plastischer Fuß« auf eine dichte Innenverpackung verzichtet und so das Eindringen des Fettes in den Filz ermöglicht.

Für die Restaurierung ergab sich daraus die Konsequenz, die Durchdringung des Filzes mit Fett zu akzeptieren und gleichzeitig ein unbegrenztes unkontrolliertes Auslaufen des Fettes zu verhindern.

Zum Abschluss werden die Oberflächen der Stahlplatten und der stark eingestaubten LKW Batterien gereinigt.

 
Maike Behrends, Diplom-Restauratorin
Joseph Heinrich Beuys Plastischer Fuß Elastischer Fuß, 1969 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Joseph Heinrich Beuys, Plastischer Fuß Elastischer Fuß, 1969 © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Das Schauatelier wurde ermöglicht durch die

Wüstenrot Stiftung

Das Schauatelier Wüstenrot Stiftung bietet in Halle I im Steib-Bau während der Öffnungszeiten des Museums (außer am Wochenende und an Feiertagen) Einblicke für die Besucher der Sammlung. 

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