Württemberg huldigt dem Großfürsten Paul von Russland und seiner Gemahlin Maria Feodorowna

Worum es geht

Beschreibung

Herzog Carl Eugen war der Onkel von Sophie Dorothee, die 1776 den späteren Zar Paul I. geheiratet und den Namen Maria Feodorowna (»Tochter des Friedrich«) angenommen hatte. Mit ihr begann die enge Verknüpfung der russischen und württembergischen Herrscherhäuser. Anlässlich des Besuchs des russischen Großfürstenpaares Paul und Maria Feodorowna im September 1782 wurden in aller Eile einige Räume im Neuen Schloss ausgestattet. Der Marmorsaal erhielt ein neues Deckenbild, das bei Nicolas Guibal in Auftrag gegeben wurde. Das 1944 zerstörte Fresko ist nur in alten Fotografien (Stuttgart 2004, Abb. 113; https://www.neues-schloss-stuttgart.de/digitale-rekonstruktion#iframe-p… ) und der vorliegenden Approbationszeichnung des Künstlers überliefert sowie in einer Variante für den linken Teil der Deckenfeldrahmung (Inv. Nr. C 3932). Eine Rötelstudie zur »Würtembergia« gehört zu den Kriegsverlusten (Inv. Nr. C 2013). Erhalten haben sich zudem zwei Nachzeichnungen von einem Guibal-Schüler, »Drei Genien« sowie »Genius und Würtembergia« (Inv. Nr. C 2009/5281(KK), C 1996). Guibal konnte das Fresko wegen seines schlechten Gesundheitszustands, hervorgerufen durch eine Vergiftung mit schwermetallhaltigen Farben, an deren Folgen er 1784 verstarb, nicht mehr selbst ausführen. Stattdessen malte es sein Schüler Philipp Friedrich Hetsch (1758-1839) in nur 21 Tagen. Interessant ist, dass die Eile des Auftrags und der ephemere Charakter des Deckenbildes, das eigentlich nur als Teil einer Festdekoration gedacht war, in der Darstellung selbst thematisiert sind. Genien und Putti sind im Begriff, ein ovales Leinwandgemälde in den von Siegestrophäen umgebenen Deckenspiegel einzusetzen. Dieses zeigt in einer Allegorie die Huldigung des Landes an das Fürstenpaar in Person der knienden Würtembergia mit Hermelinmantel, Herzogshut und Landeswappen, umgeben vom Flussgott Neckar, Nymphen und Putti. Paul und Maria Feodorowna erscheinen nicht real, sondern wiederum als Bild im Bild: Minerva hält, in der Zeichnung noch unterstützt von einem Putto, der im Gemälde entfiel, ein Medaillon mit den Porträts beider, deren Ruhm von Merkur verkündet wird. Die doppelte Überhöhung durch das Bildnisoval, mit den, gemäß antiker Herrscherikonographie, erscheinenden Profilen von Fürst und Fürstin, das seinerseits Bestandteil des eingefügten Bildes im gesamten Gemälde ist, unterstreicht nicht nur die besondere Huldigung an Maria Feodorowna und ihren Gemahl, sondern zeigt vor allem Guibals höchst intellektuelle Auffassung des Themas: Der Kunsttheoretiker Guibal, der im darauffolgenden Jahr mit seiner Lobrede auf Poussin (»Eloge de Nicolas Poussin«) den Preis der Académie Royale in Rouen gewann, hatte an der Bilderfindung ebenso großen Anteil wie der Künstler.

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