Worum es geht
In der »Wirtshausscene mit Schädel« illustriert Alfred Kubin ein von ihm 1930 selbst verfasstes »Erlebnis am Inn«. Von einer befreundeten Bildhauerin bekommt der Künstler einen Totenkopf geschenkt. Auf seiner anschließenden Wanderung und der Suche nach einer Überfahrt über den Inn gerät er in ein Wirtshaus. Der dort anwesende Fährmann verweist ihn auf den »Herrn Aufseher« mit grüner Kappe, der die Erlaubnis zur Überfahrt erteilen müsse, »aber dieser lästige Grüne blähte sich vor uns mit seiner Brachialgewalt.« Schließlich wird der Wanderer nach dem Inhalt seines Beutels gefragt und stellt kurzerhand den Schädel auf den Tisch, »wo er das größte Interesse bei der angeheiterten Gesellschaft erregte, die sich sogleich in philosophische Einzelmeinungen über Wert und Ende des Menschenlebens teilte. Für einige glich es einem Haufen Dreck, für eine andere Partei war diese Ansicht eine schwere Versündigung, und es wäre beinahe ein arger Streit entstanden, und um ein Haar hätte man den armen, mürben Schädel als Wurfgeschoß benützt und ihn so zertrümmert. Doch da änderte sich mit einem Mal die Haltung des Herrschers in dieser Wirtsstube, und er sagte gnadenvoll: ›Von mir aus können Sie auch überfahren!‹ Vielleicht hatte ihn der Anblick des grinsenden Schädels aus seinen Hoheitsträumen gerissen und ihm eine gewisse Gleichheit von uns Menschen nahegebracht.« Die Zeichnung wurde 1937 vor der Beschlagnahmung durch Theodor Musper gerettet, der ab 1930 verantwortlich für das »Graphische Sammlung Stuttgart« genannte Kupferstichkabinett im ehem. Kronprinzenpalais und von 1946 bis 1963 Direktor der Staatsgalerie war. Er nahm sie mit 47 weiteren in einem »Koffer« (so die mündlich überlieferte Legende) mit nach Hause. Später lagerte er sie zum Schutz vor der Bombardierung aus; 1947 wurden sie der Sammlung wohlbehalten vom »Tribunal Militaire du Quartier Général« zurückgegeben.
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