Worum es geht
Das kleine Blatt zeigt vor einer Stadtsilhouette eine schlafende Frau, die mit Ketten an jenen Felsen links gefesselt ist, an den sie ihren entblößten Oberkörper lehnt. Vor ihr liegt eine Waage, die sie als Verkörperung der Justitia (Gerechtigkeit) ausweist. Rechts hinter ihr sieht man, wie ein Fuchs das ihr ebenfalls zugehörige Schwert davonträgt, während er zugleich einer Gans nachstellt. Offenbar wurde die Gerechtigkeit entmachtet und fristet nun mit ihren schwachen Schützlingen – einem Kind und einem Schaf – ein Exildasein jenseits der städtischen Gemeinschaft, der sie eigentlich zugehört. Da im Entstehungsjahr des Blattes auch Barthel Beham selbst wegen seiner radikalen religiösen Ansichten aus seiner Heimatstadt Nürnberg verbannt wurde, liegt es nahe, im Bildentwurf eine Reflexion seiner persönlichen Situation zu erkennen. So unterstreicht der am oberen Bildrand zu lesende Bildtitel DER WELT LAVF einerseits die ungerechte Gegenwart, verweist andererseits jedoch auch auf das bevorstehende Jüngste Gericht, bei dem Gerechtigkeit wieder hergestellt werden wird.
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