Die Tote

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Worum es geht

Beschreibung

Die alptraumhaften Szenarien, die Alfred Kubin überwiegend gestaltet, wechseln in dieser Federzeichnung in die Realität, der Künstler porträtiert eine alte Frau auf dem Totenbett. Ob es sich um eine Person aus seinem Umfeld handelt, kann nicht beantwortet werden, aber Kubins Leben war von früh an vom Tod betroffen: Als Elfjähriger erlebte er den Tod der Mutter. Der Vater heiratete deren Schwester, die im Wochenbett starb. 1903 schließlich starb Kubins Braut Emmy Bayer. Ende April 1924 schrieb er an die Freunde Hanne und Reinhold Koeppel: »Ich bin aus Resignation, ja aus Verneinung lebensfroh. - Der Tod welcher seit Jahren immer vernehmlicher ins Leben eingreift, ist ein paradoxer - Ansporn zu geheimnisvollem Genuss - echt kubinisch! nicht?!« (Walter Bell: Die wilde Rast. Alfred Kubin in Waldhäuser. Briefe an Reinhold und Hanne Koeppel, München 1972, S. 16). Die Zeichnung wurde als Lithographie im Mappenwerk »Masken. 12 Lithographien von Alfred Kubin« publiziert (Berlin Zehlendorf, Rembrandt-Verlag, 1924; Annegret Hoberg: Alfred Kubin. Das lithographische Werk, München 1999, Mappe VI/12). Die Zeichnung wurde 1937 vor der Beschlagnahmung durch Theodor Musper gerettet, der ab 1930 verantwortlich für das »Graphische Sammlung Stuttgart« genannte Kupferstichkabinett im ehem. Kronprinzenpalais und von 1946 bis 1963 Direktor der Staatsgalerie war. Er nahm sie mit 47 weiteren in einem »Koffer« (so die mündlich überlieferte Legende) mit nach Hause. Später lagerte er sie zum Schutz vor der Bombardierung aus; 1947 wurden sie der Sammlung wohlbehalten vom »Tribunal Militaire du Quartier Général« zurückgegeben.

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