Signs

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Worum es geht

Beschreibung

Die in Berlin lebende Künstlerin Birgit Megerle (*1975 in Geisingen) studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und war Mitglied der Künstlergruppe Akademie Isotrop. Sie entwickelt seither ein Werk, das Malerei, Zeichnung und Performance miteinander verbindet. Ihre oftmals figurativen Gemälde zeichnen sich durch eine zurückhaltende Farbigkeit, präzise Kompositionen und eine eigentümliche Spannung zwischen Nähe und Distanz aus. Die dargestellten Personen wirken oft zugleich präsent und entrückt – als würden sie sich ihrer eigenen Darstellung bewusst sein. Kleidung, Gesten und Blickrichtungen werden bei Megerle zu Zeichen sozialer Rollen und medialer Selbstinszenierung. Ihr 2023 entstandenes Gemälde »Signs« zeigt eine Gruppe maskierter demonstrierender Frauen, die Protestschilder mit Parolen wie „MY BODY MY CHOICE“ oder „POWER EQUALITY JUSTICE“ tragen. Zwischen ihnen befindet sich ein Schild ohne Aufschrift – eine Leerstelle, die sofort ins Auge fällt. Megerle greift damit eine konkrete politische Situation auf, nämlich die Debatte um die Aufhebung des US-amerikanischen Urteils Roe v. Wade im Jahr 2022, das Frauen in den USA ein landesweites Recht auf Abtreibung einräumte. Die Künstlerin übersetzt dies in die Sprache der Malerei. Anstatt den Protest mit expressiven Gesten oder grellen Farben darzustellen, wählt Megerle eine zarte, fast pastellhafte Farbpalette aus Rosé- und Grüntönen. Die Figuren sind klar umrissen, doch ihre Umgebung bleibt vage und entrückt – als schwebten sie in einem Zwischenraum zwischen Realität und Bühne. Dieses Spannungsverhältnis von politischer Geste und ästhetischer Zurückhaltung verleiht dem Bild eine besondere Ambivalenz: Das leere Schild kann als Symbol für das Ungesagte, für potenzielle Bedeutung oder für die Macht des Bildes als Träger von Zeichen gelesen werden. Mit »Signs« verbindet Megerle die individuelle Inszenierung von Körper und Kleidung mit einer kollektiven, gesellschaftlichen Haltung. Das Werk thematisiert sowohl Fragen nach Selbstbestimmung und Gleichheit als auch die Bedingungen von Sichtbarkeit und Repräsentation in der Kunst. Indem sie die politische Demonstration in die Form der Malerei überführt, macht Megerle sichtbar, dass auch Bilder Orte des Protests und der Reflexion sein können – leise, aber eindringlich.

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