Worum es geht
Wie andere Künstler auch, versuchte Ludwig Meidner in Zeiten existentieller Bedrohung in Selbstbildnissen Zwiesprache zu halten: Die Frage nach der eigenen Identität gerät zur Aufarbeitung der Erschütterung über das Erlebte: »Verdorrtes Bruderblut - Krieg, Krieg! - der heiseren Hassenden Würghände noch immer, noch immer im Land. Blutlachen auf der weiten, keuschen Erde. [...] Oh, warum mußte Krieg sein, Hungersnot, Hader und soviel Menschenhaß?! - [...] Werde ich vor der Zukunft bestehen? Wird wieder himmlische Liebe in mein Herz kommen? Demut, Kraft und Gebet? Wird wieder das Land sich in Buße bekehren zu Güte, Geduld und Gerechtigkeit?« (aus: »In den weißen Windhimmel lauf' ich hinein«). Nach den Kriegserfahrungen erscheint Meidner ab Beginn der 1920er Jahre in seinen Selbstbildnissen versunkener, nachdenklicher, merklich gealtert oder wie in dieser Lithographie kaum mehr aus der ihn umgebenden Düsternis hervorstechend.
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