Worum es geht
Das Phänomen der Großstadt mit ihrer Anonymität und der Triebhaftigkeit ihrer Bewohner hat Kirchner in seinen Berliner Straßenbildern von 1913 und 1914 in vibrierender Pinselschrift oder, wie hier, in vehementen Pastellkreiden mit großer Meisterschaft immer wieder dargestellt. Eine gesichtslose Prozession von Männern in marionettenhafter Aufreihung führt keilförmig auf das Objekt der Begierde zu: die Kokotte. Die Frau, die durch die von ihr wegstrebenden eisblauen Striche wie von einem Strahlenkranz umgeben scheint, ist Blick- und Schnittpunkt der Zeichnung. Damit das Ganze nicht nach vorne »umkippt«, führte Kirchner links unten einen Mann im Profil ein, der offenbar das eigentliche Ziel der eleganten Prostituierten ist und gleichermaßen stellvertretend für den Betrachter steht.
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