Porträt des herzoglich-württembergischen Hofvergolders Carl Heideloff d. Ä. (1737-1803)

Worum es geht

Beschreibung

Mit schwungvollem Kreidestrich und gekonnt aufgesetzten »Lichtern« in Weißhöhung hat Nicolas Guibal dem Dargestellten mit psychologischem Einfühlungsvermögen einen intensiven Ausdruck verliehen. Carl Heideloff, spätestes seit 1757 in Stuttgart ansässig, war als Hofvergolder 40 Jahre lang am württembergischen Hof tätig. Er war mit Maria Theresia (1731-1779), der Tochter des Tanzmeisters an der Carlsschule, Peter Heinrich Malterre (auch: Malter), verheiratet. Zu ihren acht Kindern gehörten der Maler Victor (1757-1817), der Radierer und Kupferstecher Nicolaus (1761-1837), der Theaterdekorations- und Bühnenmaler Carl (1770-1816) sowie der Bildhauer und Maler Heinrich und der Vergolder Jean. Guibal hat Heideloff 1784 - seinem eigenen Todesjahr - der Aufschrift auf der Rückseite folgend im Alter von 47 Jahren gezeichnet: »M. Heydeloff de Württemberg agé de 47 ans«. Schon zuvor hatte der Künstler mehrere Stuttgarter Persönlichkeiten in gleicher Technik porträtiert, in der Sammlung von Johann Caspar Lavater (1741-1801) befinden sich sieben weitere seiner Bildniszeichnungen, beispielsweise von dem Solotänzer und herzoglichen Theatraltanzmeister an der Militärakademie in Stuttgart, Louis Balletti, im Alter von 38 Jahren, den Guibal in dessen Sterbejahr 1775 zeichnete, oder von dem Stuttgarter Hof- und Domänenrat Johann Georg Hartmann (1731-1811) (Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Inv. Nr. LAV XIX/273/13511 und LAV XIV/185/9868; Mraz 1999, Nr. 38-39; Himmelheber 2005). Lavater war für seine Forschungen und Anleitungen zur Physiognomie, in denen er der Erkennung verschiedener Charaktere anhand von Gesichtszügen und Körperformen auf der Spur war, stets auf der Suche nach ausdrucksstarken Porträts (das von Hartmann erschien seitenverkehrt im ersten Band der »Physiognomischen Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntniß und Menschenliebe« 1775, das von Balletti wurde 1781 im ersten Band von deren französischer Ausgabe in einer seitenverkehrten Stichvariante abgebildet). Vielleicht sollte auch Guibals Porträt von Heideloff Aufnahme in die Lavatersche Sammlung finden: 1778 war Lavater in Stuttgart bei Herzog Carl Eugen, nachdem dieser ihn bereits 1775 in Zürich besucht hatte. Die Zeichnung kam jedoch in die Sammlung des Prinz Paul von Württemberg und konnte 1983 aus dem Kunsthandel für die Staatsgalerie erworben werden.

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