Worum es geht
Gegen Ende eines aufreibenden Jahres 2020, in dem die Corona-Beschränkungen unser tägliches Handeln und unser gesellschaftliches Miteinander auf eine harte Probe stellen, erscheint Jackson Pollocks Action Painting von 1949 als aktuelles Sinnbild der gegenwärtigen Emotionen kurz vor dem Jahreswechsel. Pollocks Prozess des Malens, seine gestischen Formen und Farben, die er kraftvoll auf die Leinwand bringt, vermitteln gleichzeitig ein Gefühl der Verunsicherung. Indem die Kunst immer wieder neu und aktuell gelesen werden kann, zeigt sich ihre gesellschaftliche Relevanz als Seismograph der Gegenwart. Das Gemälde, ein Werk aus der Frühzeit des Abstrakten Expressionismus beziehungsweise des amerikanischen Action Painting, bezeugt die für Pollock seit 1947 typische Malweise des "all-over". Das die Bildfläche gleichmäßig überziehende Farbnetz konserviert die Spuren eines gestisch-spontanen Malprozesses. Pollock forcierte die Ausschaltung außerbildlicher Verweise dadurch, dass er die Farbe in direktem Fluss auf den am Boden liegenden Bildträger aufbrachte. Die nachträglich rasch herausgeschnittenen Figurationen verstärken den Eindruck, dass jede Referenz auf Gegenstandsformen eliminiert worden ist.
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