Worum es geht
Das kleine Leinwandbild ist im 18. Jh. in Süddeutschland oder Österreich entstanden. Es zeigt einen Moment der Johannesvision (Apokalypse), die in der katholischen Bilderverehrung eine zentrale Rolle einnimmt. Die Frau in der Sonne, die das Böse in Gestalt einer Schlange zertritt, wird begleitet von einem Engel, der das Kreuz präsentiert und damit auf den Opfertod Christi hinweist. Dazu kommt Gabriel mit der Lilie als ein Hinweis auf die Verkündigung. Zuletzt noch kommt Gottvater mit einem Strahlenkranz hinzu. Die sinnbildliche Darstellung ist ein Bild der Verehrung der Unbefleckten Empfängnis Mariens, die ohne die Last der Erbsünde geboren wurde und als Gottesmutter eine entscheidende Rolle in der Heilsgeschichte spielt. Das in zarten Zwischentönen und sicherem Pinselstrich gestaltete Bild, dessen Autor bisher nicht identifiziert wurde, inszeniert diese komplizierte Bildsprache in einem lebendigen Spiel im Bildraum, die das Motiv eindrucksvoll vor Augen führt. Die leichte Untersicht sowie der im dunkeltonigen Relief im Vordergrund platzierte Evangelist Johannes mit seinem Symboltier, dem Adler, legen nahe, dass die Darstellung auf eine Skulpturengruppe oder ein monumentales Bildwerk, z.B. in einem Kirchenraum, anspielt.
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