Worum es geht

Beschreibung

Albrecht Dürers Kupferstich Das Liebespaar und der Tod , auch La promenade genannt, zeigt eine Dame und einen jüngeren Mann vor einer weiten Hügellandschaft. Entstanden ist das Werk um 1498 und weist unten mittig Dürers »AD«- Monogramm auf. Die zwei Figuren befinden sich bei einem Spaziergang. Der junge Mann wendet sich mit einer einladenden Geste an seine Begleiterin, welche mit gesenktem Blick ihre Hände vor dem Oberkörper verschränkt hält. Beide tragen ein modisches Kostüm. Schleppenkleid, geschlitzte Puffärmel, Halskette und hochgebaute Festhaube deuten auf die Nürnberger Oberschicht und eine verheiratete Frau hin. Hinter dem gewundenen Baum im Hintergrund verbirgt sich, für das Paar unsichtbar, ein Gerippe mit erhobenem Stundenglas. Liebe und Tod sind hier unmittelbar miteinander verbunden. Die auffordernde Geste des jungen Mannes steht im Kontrast zur scheinbar zögernden Haltung der Dame. Das Gerippe kann in diesem Zusammenhang als eine Versinnbildlichung des Todes gesehen werden und hält mit drohender Geste das Stundenglas in die Höhe: als Zeichen der Erinnerung an die Allgegenwärtigkeit des Todes und die Vergänglichkeit des Liebesglücks. Die Todesmahnung kann auch als Warnung vor Geschlechtskrankheiten durch außerehelichen Verkehr gesehen werden. Hier bahnt sich ein Verstoß gegen das sechste Gebot an: »Du sollst nicht ehebrechen.« Eine christliche Deutung liegt ebenfalls bei dem gewundenen Baumstamm im Hintergrund nahe, denn die Windungen erinnern stark an die einer Schlange. Somit kann hier die Verbindung zum Sündenfall gesehen werden und die bevorstehende unmoralische Entscheidung des Paares. Dürer richtet hier also einen deutlichen psychologischen Appell an den Betrachter. Im Rahmen der Bildtradition erinnert das Werk an Liebespaardarstellungen aus dem Spätmittelalter. Profane Darstellungen, welche das gesellschaftliche Zusammenleben und Moralvorstellungen widerspiegeln, sind beliebte Themen des 15. Jahrhunderts (vgl. den Kupferstich des Meisters E. S.: Der Liebesgarten mit den Schachspielern , Inv. Nr. A 8699). Dürer griff solche Themen schon in seinen frühesten Kupferstichen auf (vgl. Inv. Nr. A 3425). [F. Hübner/HMK] Ausstellung: »Albrecht Dürer und Lucas van Leyden. Kunst und Leben um 1500«, 2015/16

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