Worum es geht
Das Blatt zeigt eine Frau, die in schwarzen, enganliegenden Hosen, kanarienvogelgelbem Federkragen und mit hochfrisiertem Pferdeschwanz mit breit geöffneten Beinen dasitzt. Leicht belustigt, spöttisch blickt sie den Betrachter direkt an. Doch ist hier keine Frau aus einem Pariser Bordell zu sehen, wie auf allen anderen Blättern der Serie »Elles«, sondern eine Tänzerin und Akrobatin aus dem berühmten Varieté Moulin Rouge. Ihr Name Cha-u-kao ist von der Bezeichnung eines Tanzes hergeleitet. Schuhe und Beine sind ohne Modellierung als flacher schwarzer Schatten vor den Bildgrund gesetzt. Inspiriert von Schwarzsilhouetten im japanischen Holzschnitt werden sie in Toulouse-Lautrecs Szenen aus den Tanzlokalen und Vergnügungsstätten von Paris häufig zum ausdrucksstarken, bildbestimmenden Element. Dagegen erscheint der Hintergrund, in dem ein Herr mit Zylinder und eine maskierte Dame gerade Arm in Arm entschwinden, wie durch einen Nebel gesehen. Der Künstler macht hier von der sog. »crachis«-Technik Gebrauch, einem Spritzverfahren, bei dem er Tusche mit einer kleinen Bürste und einem Sieb aufträgt. Blick und Haltung der Frau erscheinen dadurch wie ein ironischer, wissender Kommentar auf das Treiben und die eitlen Vergnügungen um sie herum.
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