Worum es geht
Der Pianist, Dirigent und Komponist Otto Klemperer (1885-1973) hielt sich wegen depressiver Verstimmungen im Frühjahr 1916 gleichzeitig mit Ernst Ludwig Kirchner im Sanatorium Dr. Kohnstamm in Königstein im Taunus auf. Dort gab er mehrere Klavierkonzerte für die Patienten. Kirchners Holzschnitte dieser Zeit sprechen eine herbe und spröde Sprache, oft sind sie ins Tiefschwarze getaucht, aus dem die weißen Papierstellen gespenstisch hervorleuchten. Dies entspricht nicht nur dem damaligen Seelenzustand des Künstlers, sondern auch dem des Musikers, der versucht seine quälenden Gedanken durch die Musik zu vertreiben. Ganz nah sind Kopf und Hand Klemperers an die diagonal ins Bild gesetzte Tastatur gerückt. Links oben erscheint eine weibliche Figur, die wie ein Dämon mit großen Händen nach dem Dargestellten zu greifen scheint - vielleicht eine Patientin, auf welche die Musik besänftigend wirkt und damit gleichzeitig eine eindeutige Verortung der Szene im Sanatorium.
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