Kämpfe. - Qualen der Liebe (Blatt 3 aus: Adelbert von Chamisso, Peter Schlemihls wundersame Geschichte)

Worum es geht

Beschreibung

Seit Kriegsausbruch im Sommer 1914 vermehrten sich die Angstzustände von Ernst Ludwig Kirchner, der zweimonatige Militärdienst im Herbst 1915 führte zu einem ersten Zusammenbruch. Obwohl ihm der Aufenthalt in einem Sanatorium nahegelegt wurde, zögerte der Künstler diesen bis Dezember 1915 hinaus. Noch vor der Abreise beendete er die sechs Illustrationen zu Adelbert von Chamisso »Peter Schlemihls wundersame Reise«. In Schlemihl, der seinen Schatten verkauft, sah Kirchner sich selbst, auch er glaubte, seine Identität als Künstler, der er zudem seine Liebe geopfert hat, verloren zu haben. Und so zeigt das dritte Blatt ein Selbstbildnis, in dem sich Leid, Verzweiflung und Verlust widerspiegeln: Im Hintergrund erscheint ein weiblicher Akt, der sich ans blutende Herz und an das von Kirchner greift - der Text spricht von »zwei blutig zerrissenen Herzen«. Der Künstler hat seiner Berufung zur Kunst alles untergeordnet, ist jedoch gescheitert, sein Kopf trägt eine blutige gespaltene Wunde. Das Schlangenmotiv links unten wiederum spielt auf die Vertreibung aus dem Paradies an. Allerdings ist die Mitte des Blattes dreiecksartig erhellt, vielleicht als Blick in eine hoffnungsvollere, wenn auch ungewisse Zukunft. Neben sieben bekannten farbigen Drucken ist dieser der einzig handkolorierte.

Text

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