Worum es geht
Der ungläubige Apostel Thomas steckt seine Finger in die Seitenwunde Christi, um sich zu überzeugen, dass er der Richtige ist. Die Komposition besticht durch ein starkes Hell-Dunkel, in dem Christus als Heilsgestalt mit seinem hellen Körper herausragt. Die Geste des Zurückschlagens des Mantels, um die Wunde freizulegen, erfolgt mit einem theatralischen Schwung. Ludwig Horst, Student an der Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf von 1856 bis 1858, war überwiegend als Porträtmaler im Auftrag des königlichen und herzoglichen Haus Württemberg und dessen Umkreis sowie der gehobenen bürgerlichen Gesellschaft tätig. Hier jedoch hat er eine Bildidee des bolognesischen Malers Guercino (1591-1666) kopiert, die in mehreren Fassungen vorliegt: Zum einen in einem 1620 entstandenen Gemälde im Vatikan (Pinacoteca Vaticana, Inv. Nr. 40383; Nicholas Turner: The Paintings of Guercino, Rom 2017, Nr. 103.I), zum anderen in einem ein Jahr später datierten Bild in London (National Gallery, Inv. Nr. NG 3216; ebd., Nr. 103.II). Eine dritte Fassung war jüngst im Kunsthandel (Wien, Dorotheum 10.22.2020, Nr. 77).
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