Worum es geht
Das Blatt Der Heilige Antonius vor der Stadt , signiert mit »1519 AD«, ist eines der seltenen Querformate Albrecht Dürers. Es wird bestimmt durch den Gegensatz zwischen der Figur des Hl. Antonius im Bildvordergrund und der raumgreifenden Darstellung einer Stadt im Hintergrund. Der Begründer des asketischen Eremitentums sitzt mit nackten Füßen und heruntergezogener Kapuze in ein Buch vertieft einsam am Strassenrand. Neben ihm sind zwei Gegenstände platziert, die eigentlich nicht zu seinen persönlichen Attributen gehören: ein Pilgerhut und ein langer Stab. Letzterer ist an der Spitze mit einem Doppelkreuz samt Kruzifixus und einem Glöckchen versehen, welches den Mönchen des Antoniter-Ordens dazu diente, auf ihr Spendensammeln für die Pflege von Erkrankten aufmerksam zu machen. Dürers Interesse an der möglichst naturalistischen Wiedergabe der ihn umgebenden Realität spiegelt die detailreich und dicht dargestellte Stadt wider, für die er eigene Studien verschiedener Städte wie Nürnberg, Innsbruck und Trient verwendet hat. Das weltliche Treiben der Stadt steht im Gegensatz zum zurückgezogenen Lebensentwurf des Eremiten. Doch mag die Positionierung des überdimensionierten Stabes des Antonius und des Turmes der Stadt auf selber Höhe darauf verweisen, dass Dürer beide Lebens- und Gesellschaftsentwürfe als ebenbürtig bedeutend empfand. [PSc] Ausstellung: »Albrecht Dürer und Lucas van Leyden. Kunst und Leben um 1500«, 2015/16
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