Worum es geht
Mit sparsamsten Mitteln hat Giovanni Battista Tiepolo fünf sitzende bärtige Gestalten mit Turbanen umrissen, wobei er die beiden vorderen noch etwas genauer charakterisiert, während die übrigen nur mehr angedeutet sind. Der leichte, spontane Federstrich verleiht dem Blatt etwas ungemein Skizzenhaftes, die Lavierung unterstreicht das Atmosphärische, das gerade der venezianischen Zeichenkunst eigen ist. Hervorzuheben sind besonders die Lichteffekte, die der Künstler durch das bewusste Miteinbeziehen des hellen Papiergrundes erreicht, so vor allem im Gesicht und der Hand der linken Figur. Die Zeichnung steht einer ganzen Reihe von Blättern nahe, den sog. »Sole figure vestite«, die in den 1750er Jahren, zum Teil während der Würzburger Zeit, sowie in Verbindung mit der Ausmalung der Villa Valmarana ai Nani bei Vicenza 1757 entstanden sind (vgl. Inv. Nr. C 1425, C 1434, C 1435; vgl. George Knox: Catalogue of the Tiepolo Drawings in the Victoria & Albert Museum, London 1960, Nr. 131-176, 276-295). Der Titel bezieht sich auf ein Album im Victoria and Albert-Museum zu London, in dem zahlreiche Entwürfe zu stehenden Einzelfiguren enthalten sind. Etwa 100 weitere Zeichnungen dieser Art sind bekannt, zu denen auch das Blatt in der Stuttgarter Sammlung mit einem »Stehenden im Tabarro nach links« (Inv. Nr. C 1421) gehört. Keine dieser Studien kann jedoch mit einem bestimmten Gemälde oder Fresko in Verbindung gebracht werden. Ähnliche Gruppierungen von Orientalen wie in dieser Skizze tauchen in Tiepolos Werk immer wieder auf, wie etwa in der Stuttgarter Studie zu einem »Paar in Halbfigur« (Inv. Nr. C 1422; vgl. ebd., Nr. 267). Auch im malerischen Oeuvre bevorzugte Tiepolo orientalische Typen als Begleitfiguren, ließen sich doch dabei ungewöhnlich prunkvolle Gewänder und Kopfbedeckungen darstellen sowie ältere Charakterköpfe mit wilden langen Bärten (vgl. ausführlich Stuttgart 1996, Nr. 12).
Haben Sie Fragen oder Informationen zu diesem Objekt?


