Worum es geht
Schon dem Titel »Frammenti« (Fragmente) eignet eine melancholische Konnotation: Überbleibsel, die Erinnerungen auslösen, erscheinen im ersten Blatt wie Scherben eines zerschlagenen Spiegels. Die darüber gelegte »Blaue Blume« unterstreicht die »romantische« Sehnsucht nach Vergangenem und damit nach verlorener Freiheit. Phänomene wie Feuer und Rauch, Zeichen einer Urzeit, beschäftigten Jannis Kounellis in vielen seiner Werke und so reihen sich Gesichtsumrisse, maskenartig aus Rauch hervortretend, in den weiteren Blättern der Folge schemenhaft wie Geister aus einer anderen Welt aneinander. Im Schlussblatt der Folge tanzen zu dem Motiv des Rauchs geometrische Formen, die mit ihren Umrissen an eine gefüllte Tanzfläche erinnern. Doch der Tanz ist vorüber, das Vergnügen ist vorbei. Nur die nachsinnenden, stets separierten, das heißt vereinsamten Gesichter in ihren fragmentierten Druckplatten sind geblieben, verlorene Teile eines Puzzles, das vielleicht nie wieder zusammengesetzt werden kann. In ihrem scherbenhaften Jetzt bleibt allein die Erinnerung an das Vorübergegangene.
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