Worum es geht

Beschreibung

Auf dem datierten und monogrammierten Holzschnitt zeigt Dürer die Enthauptung Johannes des Täufers, wie es in den Evangelien geschildert wird (Matthäus 14, 1-12; Markus 6, 14-29). Durch den verführerischen Tanz Salomes, Tochter seiner unrechtmäßigen Ehefrau Herodias, gewährt Herodes dieser einen Wunsch. Die schöne junge Frau erbittet auf Drängen ihrer Mutter, den Kopf des Johannes, welcher im Voraus die Ehe zwischen Herodes und Herodias tadelte. Die Enthauptungsszene verortet Dürer abweichend vom Quellentext außerhalb des Gefängnisses vor der Kulisse einer Renaissancearchitektur, wodurch er gleichzeitig einen zeitgenössischen Bezug herstellt. Im Vordergrund streckt die Rückenfigur des Henkers der in modisch italienischer Kleidung gehüllten Salome den leblosen Kopf entgegen. Durch den Moment dieses Blickkontaktes zwischen dem Haupt des Toten und der jungen Frau steigert Dürer die Dramatik der Szene und führt somit gleichzeitig eine Neuerung in der Darstellungstradition ein, da sich Salome zumeist vom grausamen Anblick abwendet. Auf dem Richtblock, welcher das Monogramm des Künstlers trägt, erstreckt sich der leblose Körper des Enthaupteten, aus dessen Hals noch das frische Blut tropft und somit der Szene eine zusätzliche Drastik verleiht. Im Gegensatz zu der aufrecht blickenden Salome senken ihre Dienerinnen im Hintergrund, die nürnbergische Gewänder tragen, sowie der Richter neben dem Henker den Blick entsetzt zu Boden. Dies steht deutlich im Kontrast zum Handeln der jungen Frau, die dadurch als kalt und reuelos erscheint. Mit diesem gleichgültigen Verhalten schafft Dürer ein verbindendes Element zwischen ihr und ihrer Mutter Herodias in dem auf 1511 datierten Blatt, welches die Übergabe des Hauptes an Herodes (Inv. Nr. A 3663) abbildet. Sowohl Salome als auch Herodias stehen damit in der Tradition der Weibermacht, welche die Beherrschung der listenreichen Frau über den Mann thematisiert und z.B. von Lukas van Leyden in zahlreichen Blättern verarbeitet wurde (vgl. Inv. Nr. A 1924/38; A 1961/2309). Sowohl in diesem als auch in dem erwähnten Blatt von 1511 tragen Salome und ihre Dienerinnen dieselben Gewänder, was ein verbindendes Element der beiden Werke darstellt. Auch der italienische Künstler und Biograph Giorgio Vasari erwähnte beide Blätter in seinen erstmals 1550 veröffentlichten Künstlerviten, welche die Biografien zu den wichtigsten, vorrangig italienischen Künstlern festhielten, als Pendants. [M. Kuhndt/HMK] Ausstellung: »Albrecht Dürer und Lucas van Leyden. Kunst und Leben um 1500«, 2015/16

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