Worum es geht
Nach dem Kriegsdienst, der tiefe seelische Wunden bei George Grosz hinterlassen hatte, kehrte der Künstler nach Berlin zurück. Hier entstanden seine berühmten und charakteristischen Darstellungen des Berliner Lebens, oft in Straßen- und Kaffeehausszenen, aber auch wie hier in bürgerlichen Haushalten. Mit seinem spontanen Strich dokumentiert Grosz ein typisches nicht Mit- sondern Nebeneinander unter dem Motto »getrennt marschieren, vereint schlagen« - der Ausspruch soll angeblich auf den Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke zurückgehen. Die Mimik der dünnen, hochgewachsenen und spitzlippigen Frau sowie des glatzköpfigen, dickbäuchigen Mannes mit seinen Wurstfingern spricht Bände über die Gestaltung ihrer beider Eheleben. Auch der einsame Blumentopf ist hierfür ein Symbol. Die Zeichnung wurde 1937 vor der Beschlagnahmung durch Theodor Musper gerettet, der ab 1930 verantwortlich für das »Graphische Sammlung Stuttgart« genannte Kupferstichkabinett im ehem. Kronprinzenpalais und von 1946 bis 1963 Direktor der Staatsgalerie war. Er nahm sie mit 47 weiteren in einem »Koffer« (so die mündlich überlieferte Legende) mit nach Hause. Später lagerte er sie zum Schutz vor der Bombardierung aus; 1947 wurden sie der Sammlung wohlbehalten vom »Tribunal Militaire du Quartier Général« zurückgegeben.
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