Worum es geht
Auf der Vorderseite dieser Zeichnung sind Skizzen zu und nach verschiedenen Projekten der Familie Tiepolo vereint. Die auf Wolken thronende, lorbeerbekränzte männliche Figur, begleitet von einem Engel, ist eine Vorstudie Giovanni Battistas zur zentralen Gestalt im Deckengemälde mit der »Apotheose des Angelo della Vecchia umgeben von Tugenden«, das sich ehemals im Palazzo Della Vecchia in Vicenza befand und heute im Palazzo Isimbardi in Mailand aufbewahrt wird (Massimo Gemin und Filippo Pedrocco: Giambattista Tiepolo. I dipinti. Opera completa, Venedig 1993, Nr. 406). Da der Palast zwischen 1748 und 1750 errichtet wurde, schuf Tiepolo das Gemälde wohl im Laufe des Jahres 1750, auf jeden Fall noch vor seiner Abreise nach Würzburg, wo er am 12.12. eintraf. Bemerkenswert in der Zeichnung ist die extreme Skizzenhaftigkeit, mit der die beiden Figuren erfasst sind, sowie die auffallende Geometrisierung des Gesichts, die für einen Entwurf spricht. Drei weitere Blätter in Stuttgart gehören ebenfalls zu diesem Projekt (Inv. Nr. C 1459, C 1487, C 1475/C 1492). Die rechte untere Ecke des Blattes blieb zunächst frei, die Zeichnung lag im Gepäck, das Vater und Söhne mit nach Würzburg nahmen. Erst hier holte Giovanni Domenico die Studie wieder hervor und nutzte die leere Stelle, um den Ricordo (Nachzeichnung zur Erinnerung) nach einem Werk Giovanni Battistas festzuhalten: Er zeichnete das Christuskind aus dem Gemälde »Anbetung der Könige«, das der Vater 1753 für die Benediktinerabtei Münsterschwarzach schuf und das sich heute in der Alten Pinakothek zu München befindet (ebd., Nr. 418). Die kleine Skizze nach dem linken Fuß des Christuskindes sowie die Armstudie rechts oben stammen ebenfalls von Giovanni Domenico. Auf der Rückseite der Zeichnung schließlich kopierte er die Figur der »Flora« aus dem Deckenfresko im Treppenhaus der Würzburger Residenz (ebd., Nr. 415; James Byam Shaw: Tiepolo Celebrations: Three Catalogues, in: Master Drawings 9, 1971, S. 272 sieht das Verso als Kopie an, vermutet aber eher Lorenzo als Zeichner; vgl. ausführlich Stuttgart 1996, Nr. 10).
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