Worum es geht
Ein wild tanzendes Paar füllt mit ungelenken Bewegungen den gesamten Bildraum. Beide Figuren tragen übergroße Ketten und Schellen, die sie als Narren ausweisen. Die Bildinschrift verrät, dass es sich um Bolikana und Markolfus handelt. Seit dem späten 15. Jahrhundert wurde der fiktive Dialog »Die Sprüche Salomonis und die Antworten des Markolf« immer wieder in Buchform gedruckt. Der listige Schelm Markolfus diskutiert hier höchst beredsam mit dem weisen König Salomon. Markolfus und seine Partnerin Bolikana, beide von ausgewiesener, karikaturhafter Hässlichkeit, verselbständigen sich im frühen 16. Jahrhundert als eigenes Bildmotiv. Der in Augsburg tätige Daniel Hopfer orientiert sich in seiner Eisenradierung an ähnlichen zeitgenössischen Bilderfindungen von Albrecht Dürer (Inv. Nr. A 3422) und den Beham-Brüdern (Inv. Nr. A 2230). Der auf dem Kopf von Markolfus nistende Vogel könnte ein Eichelhäher sein, der in manchen deutschen Regionen als »Magolves« bezeichnet wurde. Im Volksglauben galt der Vogel als Symbol für Hohn und Spott.
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