Bildnis David Müller (Blatt 6 in: Bauhaus-Drucke. 5te Mappe)

Worum es geht

Beschreibung

Ernst Ludwig Kirchner, der 1905 in Dresden mit Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl die Künstlergemeinschaft »Brücke« gegründet hatte, verlor nach deren Auflösung sowie durch eine nur wenige Monate dauernde Ausbildung zum Artilleristen den Halt und wurde Alkohol- und Medikamentenabhängig. Mehrere Sanatoriumsaufenthalte folgten, im Sommer 1918 siedelte er nach Frauenkirch bei Davos über, wo er nach und nach gesundete. Die Lähmungserscheinungen an seinen Händen, Folge des Missbrauchs, führten jedoch zunächst dazu, dass er im Holzschnitt nur noch den Geißfuß benutzte, mit dem man ganz leicht wie mit zeichnender Hand ins Holz einritzen konnte. Auch das Porträt des Sohnes seiner Vermieter in Frauenkirch, David Müller (geb. 1892), ist in dieser Technik entstanden, die Schwärze des Drucks wird durch die dünnen feinen Linien verstärkt, der Nachthimmel erscheint wie kosmisch erstrahlt. Als Beitrag zur fünften Mappe der »Bauhaus-Drucke. Neue europaeische Graphik« war es Kirchner offenbar besonders wichtig, ein Blatt aus seiner schwierigsten Lebensphase einzureichen. Der Rezensent der »Bauhaus-Drucke«, Erich Wiese allerdings hat diese missverstanden, spracht er doch im »Cicerone« 1923 bei diesem Holzschnitt »von unerhörter Lebensenergie«.

Text

Haben Sie Fragen oder Informationen zu diesem Objekt?

Kontaktieren Sie uns