Worum es geht
Die sprichwörtliche Wendung »Ohne Bacchus und Ceres friert Venus« (übertragen: »Ohne Trinken und Essen bleibt die Liebe kalt«) entstammt der antiken Komödie »Eunuchus« des Dichters Terenz. Das Thema war in der Kunst um 1600 sehr beliebt. Hendrick Goltzius, führender Künstler des Manierismus in Haarlem, kombiniert die drei Götter in einer reizvollen Allegorie voller Anmut und Sinngehalt. Der Dichter Cornelis Schonaeus (1541 - 1611) verfasste einen Vers als Bildunterschrift. Venus, erkennbar an ihren Attributen, dem Gürtel mit flammendem Herz und dem Perlenschmuck, sitzt in der Mitte auf einem von Putten geöffnetem Himmelbett und bildet mit Bacchus links mit einem Weinglas und der mit dem Rücken zum Betrachter gewendeten Ceres mit Füllhorn und Sichel eine Gruppe in erotischer Zuwendung. Der Gott des Weines und seine Schwester Ceres teilen ihre Präsente mit der Liebesgöttin, welche sie dafür mit ihrer Liebe belohnt. Die schlanken Gestalten, mit besonders plastisch ausgearbeiteten Bäuchen, entsprechen dem international verbreiteten manieristischen Figurenideal. Goltzius führte einen eigenen Graphik-Verlag, der dem Vertrieb seiner Kompositionen auch für den internationalen Markt diente. Geschützt wurde die Produktion seit 1596 durch ein kaiserliches Privileg (sichtbar als „Cum privil. SaeCae. M.“). Der Kupferstich seines Schülers Jan Saenredam zeichnet sich durch kleinste Details und höchste Stofflichkeit aus. Feinste Linien umspannen die Körper wie ein Netz und modellieren sie im plastischen Lichtspiel durch Wechsel von hellen und sehr dunklen Flächen. Mit dieser Qualität prägten goltzius und seine Schüler den Höhepunkt niederländischer Graphik um 1600. [N.Niester/HMK]
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