Worum es geht
Artemisia war die Königin von Karien, einer antiken Provinz in der heutigen westlichen Türkei. Nach dem Tod ihres Ehemannes Mausolos (353 v.Chr.) übernahm sie die Regentschaft. Überwältigt von Trauer trank sie, wie der antike Autor Plinius d.Ä. (1. Jh. v.Chr.) berichtet, jeden Tag einen Teil seiner Asche. Sein Grabmal, das dem heute verbreiteten Begriff des Mausoleums seinen Namen gab und unter ihrer Führung vollendet wurde, ragt im Hintergrund empor. Als Beispiel für ehrwürdige Hingabe und vielleicht auch als raffinierter Versuch, die weibliche Regentschaft durch die Anwesenheit des toten Königs in Form der konsumierten Asche zu legitimieren, entwickelte sich das Thema der Asche trinkenden Königin zu einem eigenständigen Bildmotiv. Das ehemals ovale Gemälde wurde später zu einem Rechteck erweitert, der alte Bildausschnitt ist noch an den Verfärbungen entlang der Kanten erkennbar. Der rasche und dicke Farbauftrag, der zu einem sichtbaren Pinselstrich und hervortretenden Höhungen führt, wurde zu Beginn des 20. Jhs. dem Barockmaler Bernardo Strozzi (ca. 1581-1644) zugeschrieben, heute wird es mit der Kunst in Florenz oder Venedig in der ersten Hälfte des 17. Jhs. in Verbindung gebracht. Der in den Hauttönen weich verriebene Farbauftrag und das stilisierte aber ausdrucksstarke Gesicht der Königin lassen an das Umfeld von Guido Cagnacci (1609-1663) denken, der als Schüler von Guido Reni (1575-1642) zeitweilig in Bologna gearbeitet hat.
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