Programm Videobox Museum Matters

»Museum Matters«

Ist das Museum ein kollektiver Speicher von Wissen oder Plattform für Experimente? White Cube oder Werkstatt? Architekturikone oder interaktiver Ort der Kommunikation?

Lange schon gibt es verschiedene Vorstellungen, Theorien und Utopien über das Museum. Immer wieder hat sich diese Institution in ihrer Geschichte geändert. Nicht zuletzt Künstler setzen sich stetig mit diesem öffentlichen Ort von Bildern und Bilderfahrungen auseinander, der zwischen Gegensätzen wie Geschichte und Zukunft, Konjunktur und Krise pendelt. Einerseits waren Museen traditionell Ausbildungsinstrumente und mitunter Ateliers für sie. Andererseits haben Künstler in ihrer Kunst wie in ihren Manifesten Museen beharrlich attackiert, ihre scheinbare Neutralität und Objektivität kritisch thematisiert und ihre Gesten des Zeigens etwa aus feministischer, antirassistischer und antikolonialer Perspektive hinterfragt.

Unter dem Titel »Museum Matters« konzentriert sich die aktuelle Reihe der Videobox auf Arbeiten von jüngeren und etablierten Künstlern und Filmemachern, die das Museum zu ihrem Gegenstand machen. Dokumentarisch, experimentell, essayistisch oder narrativ nehmen sie Museen, ihre Ansätze, Präsentationen und Formen der Vermittlung in den Blick, um Bedingungen von Sammlungen sichtbar zu machen und alternative Archive herauszufordern.

Hier gibt es das gesamte  Programm der Videobox 2017 zum Download.

Programm »Museum Matters«

Die Reihe »Museum Matters« wird ermöglicht durch:

Programm Videobox »Museum Matters«

4.7. bis 3.9.2017
Emma Wolukau-Wanambwa
»A Short Video about tate Modern«

Emma Wolukau-Wanambwas Video »A Short Video about Tate Modern« blendet aus, was man unmittelbar mit dem weltweit meistbesuchten Museum für aktuelle Kunst am Londoner Themseufer verbindet: Es wirft keinen Blick auf das umfunktionierte Kraftwerk oder in seine Turbinenhalle, zeigt keine Sammlungspräsentationen oder Ausstellungsräume, interessiert sich nicht für seine Cafés, Museumsshops oder Besucherströme. Und doch löst das Video ein, was sein Titel ankündigt.

Mehr als eine Dekade vor dem just eröffneten Erweiterungsbau des Museums entstanden, beschränkt sich »A Short Video about Tate Modern« auf zwei Einstellungen, die beide die Künstlerin zeigen. Zunächst steht Wolukau-Wanambwa schwarz gekleidet stumm vor einer weißen Wand und blickt in Nahaufnahme frontal in die Kamera. Mit Hilfe von Untertiteln folgt man ihrem inneren Monolog, in dem sie von ihren Erfahrungen im Rahmen ihrer Teilnahme an einem Kunst-Workshop im obersten Stock des Museums erzählt. Dort stellt sie fest, dass sie die einzige »nicht-weiße« Person ist und fühlt sich unangenehm exponiert, während ihr hinter den Kulissen vor allem viel schwarzes Museumspersonal – Aufsichten, Wachmänner oder Küchenmitarbeiter – begegnet. Als Künstlerin mit Zugang zu den Inhalten des Museums erntet sie ihre Blicke. Die zweite Einstellung des Videos zeigt Wolukau-Wanambwas Arbeit, die Ergebnis des Workshops ist: Darin steht sie erneut wortlos vor einer weißen Wand. Diesmal wäre sie ganz zu sehen, verdeckte sie nicht eine große weiße Pappe und brächte sie in ihrer Umgebung zum Verschwinden. Nur ihre schwarzen Beine bleiben sichtbar.

Mit minimalen Mitteln führt »A Short Video about Tate Modern« vor Augen, wie auch ein »für alle offenes« Museum gesellschaftliche Verteilung von Privilegien widerspiegelt. Dass die eigene Rolle im Spannungsfeld von gegensätzlich erlebten Mehrheitsverhältnissen und Hierarchien dabei als ambivalent mit reflektiert wird, macht das Video umso eindringlicher.

Biografie

1976                 geboren in Glasgow, lebt in London und Berlin
1998                 BA, Clare College, University of Cambridge, Cambridge
2004 – 2010    MA, Slade School of Fine Art, University College, London

Filmfestivals / Screenings (Auswahl)

Uganda in Black and White, Contemporary Image Collective, Cairo (2017).

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Kabbo ka Muwala (The Girl’s Basket), National Gallery of Zimbabwe, Harare, Makerere Art Gallery, Kampala, Städtische Galerie, Bremen (2016);
Artificial Facts, Kunsthaus Dresden (2015);
Odyssée Africaine, Éspace Culturel Louis Vuitton at Le Brass, Brüssel (2015); Tricky Assignments: Representing the Colonial Prison, Haus der
Kulturen der Welt, Berlin (2013);
Serpentine Gallery Map Marathon, Serpentine Gallery, London (2010); Kinomuseum, 53. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen (2007);
For One Night Only, Camden Arts Centre, London (2006).

EMMA WOLUKAU-WANAMBWA »A Short Video about Tate Modern«, 2003 / 2005, Video, 4‘48‘‘, Still, Courtesy: Emma Wolukau-Wanambwa
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