Programm Videobox Museum Matters

»Museum Matters«

Ist das Museum ein kollektiver Speicher von Wissen oder Plattform für Experimente? White Cube oder Werkstatt? Architekturikone oder interaktiver Ort der Kommunikation?

Lange schon gibt es verschiedene Vorstellungen, Theorien und Utopien über das Museum. Immer wieder hat sich diese Institution in ihrer Geschichte geändert. Nicht zuletzt Künstler setzen sich stetig mit diesem öffentlichen Ort von Bildern und Bilderfahrungen auseinander, der zwischen Gegensätzen wie Geschichte und Zukunft, Konjunktur und Krise pendelt. Einerseits waren Museen traditionell Ausbildungsinstrumente und mitunter Ateliers für sie. Andererseits haben Künstler in ihrer Kunst wie in ihren Manifesten Museen beharrlich attackiert, ihre scheinbare Neutralität und Objektivität kritisch thematisiert und ihre Gesten des Zeigens etwa aus feministischer, antirassistischer und antikolonialer Perspektive hinterfragt.

Unter dem Titel »Museum Matters« konzentriert sich die aktuelle Reihe der Videobox auf Arbeiten von jüngeren und etablierten Künstlern und Filmemachern, die das Museum zu ihrem Gegenstand machen. Dokumentarisch, experimentell, essayistisch oder narrativ nehmen sie Museen, ihre Ansätze, Präsentationen und Formen der Vermittlung in den Blick, um Bedingungen von Sammlungen sichtbar zu machen und alternative Archive herauszufordern.

Hier gibt es das gesamte  Programm der Videobox 2017 zum Download.

Programm »Museum Matters«

Die Reihe »Museum Matters« wird ermöglicht durch:

Programm Videobox »Museum Matters«

3.5. bis 2.7.2017
Karsten Krause
»Arrangement of Skin«

Natur zu dokumentieren und zu erhalten war und ist ein Bedürfnis von Kulturen. Institutionalisiert ist dieses Anliegen in Naturkundemuseen und zoologischen Sammlungen. Solche »Archive des Lebens« hat Karsten Krause in Stuttgart aufgesucht: Im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und in der Wilhelma nimmt er die menschliche Aneignung von Natur zu Erkenntniszwecken mit seiner Kamera in den Blick. Dieser gilt vor allem konservierten Tieren, deren Rekonstruktion und Animation er in Inszenierungen des Museums verfolgt.

Mitunter wirkt es als ersetze die Kamera den erloschenen tierischen Blick auf die Menschen. Krause richtet sie auf die Arbeit von Präparatoren und ihr postmortales Handwerk in den Museumswerkstätten, wo sie Verfall durch Lagerungstechniken taxidermisch begegnen. Studiert werden ihre Verrichtungen, Geschicklichkeit und Vertrautheit im Umgang mit den toten Kreaturen. Oft ist der Fokus ganz auf ihrer konzentrierten Mimik, die Erfahrung, Sorgfalt und Hingabe ahnen lässt, während sie – etwa auf einer aufgeschlagenen Zeitungsseite mit Todesanzeigen als Unterlage – schneiden, häuten, abbalgen, ausstopfen und fixieren. Möglichst natürlich, lebendig und ästhetisch ansprechend sollen die Tiere wirken für ihre Ausstellung in spektakulären Dioramen. Dort haben sie ihren finalen Auftritt neben anderen präparierten Tieren vor idealisierten Biotopen nachempfundenen Kulissen, um der Spezies zu begegnen, die sie arrangiert hat.

Schaulust der Besucher spiegelt sich in den Schaukastenscheiben. Staunendes Flüstern ist aus dem Off zu hören. Beäugt und bestaunt wird das Wilde als Kunstprodukt nach menschlichen Phantasmen, das doch widerständig bleibt gegen seinen Objektstatus. So erzählt »Arrangement of Skin« vor allem vom Widerspruch zwischen wissenschaftlicher Neutralität und gestalterischer Interpretation wie von der Imaginationslust von Forschung, Museen und Besuchern.

 

Die Produktion von Karsten Krauses Video "Arrangement of Skin" wurde gefördert und unterstützt von der Akademie Schloss Solitude und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg.

Biografie

1980                 geboren in Freiburg, lebt in Hamburg
2003 – 2004   Studium Volkskunde, Universität Hamburg
2004 – 2010    Studium Visuelle Kommunikation, Hochschule für bildende Künste Hamburg
2007                Universidade de Lisboa / Faculdade de Belas-Artes, Universidade de Lisboa
2014 – 2015    Fellowship, Akademie Schloss Solitude, Stuttgart

Filmfestivals / Screenings (Auswahl)

Vom Bildermachen I, 21er Haus, Wien (2016);
Punto de Vista International Documentary Film Festival of Navarra. Pamplona (2016);
62. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen (2016); Rencontres Internationales Du Documentaire de Montréal (2015);
64. Internationale Filmfestspiele Berlin (2014); Filmfest München (2014);
CPH:DOX, Kopenhagen (2014);
Curtas Vila do Conde, Festival International de Cinema, Vila do Conde (2013);
19. Yasujiro Ozu International Shortfilm Festival (2011);
Bucharest International Experimental Film Festival (2011);
Krakow Film Festival (2011);
Warsaw Film Festival (2010);
Trento Film Festival (2009)

Künstlergespräch

1.6.2017, 18.30 Uhr, Eintritt frei

»Arrangement of Skin«

Der Künstler Karsten Krause war im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart und in der Wilhelma unterwegs und hat diese »Archive des Lebens« mit seiner Kamera erkundet. Ergebnis ist ein beeindruckendes Video, das vom Widerspruch zwischen wissenschaftlicher Neutralität und gestalterischer Interpretation wie von der Imaginationslust von Forschung, Museen und Besuchern erzählt. Über diesen Widerspruch unterhalten sich Karsten Krause und Jan Panniger, Staatliches Museum für Naturkunde, Stuttgart, der als Präparator selbst beide Sichtweisen in seiner Arbeit vereinbaren muss.

Moderation: Alice Koegel

KARSTEN KRAUSE »Arrangement of Skin«, 2016, HD-Video, 23‘, Stills, Courtesy: Karsten Krause
KARSTEN KRAUSE »Arrangement of Skin«, 2016, HD-Video, 23‘, Stills, Courtesy: Karsten Krause
KARSTEN KRAUSE »Arrangement of Skin«, 2016, HD-Video, 23‘, Stills, Courtesy: Karsten Krause
KARSTEN KRAUSE »Arrangement of Skin«, 2016, HD-Video, 23‘, Stills, Courtesy: Karsten Krause
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