16.10.2015 – 20.03.2016

Christian Marclay

Shake Rattle and Roll

Klang und unser Verständnis davon sind für den amerikanisch-schweizerischen Künstler und Musiker zentral. Seine Collagen, Installationen, Fotografien, Videos, Performances und Publikationen sind vom Prinzip des Sampling als Aneignung bestehenden akustischen und visuellen Materials geprägt, das in neue Zusammenhänge eingebunden wird. Musique Concrète, akusmatische Musik, Readymade- und Do-It-Yourself-Strategien von Punk und insbesondere die Fluxus-Bewegung mit ihrer besonderen Verbindung von Musik und Performance sind dabei frühe Einflüsse.

Marclays Ausstellung kreist um Aspekte des Spielerischen wie Zufälligen in Verbindung mit dem Musikalischen. Im Mittelpunkt stehen seine Videoinstallation »Shake Rattle and Roll« (Fluxmix) (2004) und sein neu produziertes Video »Bildspiel« (2015), das in Verbindung zum Archiv Sohm entstanden ist. Die Sammlung von Hanns Sohm gehört zu den weltweit bedeutendsten Fluxus-Beständen und befindet sich seit 1981 im Besitz der Staatsgalerie Stuttgart.

Spielerisch wie institutionskritisch aktiviert Marclay Fluxus-Objekte und ein »Kugelbild« des Schweizer Künstlers Dieter Roth (1930-1998) aus den 1960er-Jahren. Die ursprünglich antimuseal zur Benutzung durch Betrachter gedachten Objekte werden hier, durchaus gegen ihre ursprüngliche Intention, von Marclay auf ihre akustischen Möglichkeiten hin untersucht. Er spielt sie wie Instrumente und lässt sie in einen polyphonischen Dialog treten. Im Austausch entsteht auch die Arbeit »Chalkboard« (2010) als wandfüllende Tafel mit Notenlinien, auf der Besucher mit Kreide und Schwamm ihre Notationen schaffen und Musiker die so im Laufe der Ausstellung produzierten Tonstücke interpretieren.

Ergänzend zeigt die Staatsgalerie Stuttgart vom 3. bis 29.11.2015 in ihrer Film- und Video-Reihe VideoBox: »Silent« Cinema Christian Marclays Video »Mixed Reviews (American Sign Language)« (1999/2001), in dem ein gehörloser Schauspieler einen auf gesampelten Musikkritiken basierenden Text mit seiner ausdrucksvollen Gestik und Mimik ausgesprochen musisch interpretiert.

Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt parallel vom 15.10.2015 bis 17.1.2016 Marclays »Video Quartet« (2002) als Teil der Reihe »Sound in Motion. Internationale Video- und Performancekunst«. Die Vierkanal-Videoinstallation setzt sich, dem Found-Footage-Prinzip folgend, aus Filmsequenzen der Kinogeschichte von den 1920er-Jahren bis heute zusammen. Marclay verbindet disparate Elemente, bei denen Musik im Vordergrund steht, zu einer eigenen Komposition.

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