Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit »Plastischer Fuß Elastischer Fuß«), 1971, © Lothar Wolleh Estate Berlin; für Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Über die Ausstellung

Joseph Beuys war ein charismatischer Künstler mit einem Gestaltungswillen, der an den Grenzen von Institutionen und Museen keinen Halt machte. Seine Aktionen fanden deshalb häufig außerhalb des Museums statt, denn letztlich ging es ihm darum, durch Kunst die Gesellschaft zu gestalten. Wenn Beuys dennoch in Museumsräumen arbeitete, so eignete er sich die Räume in einer Weise an, die mit den Konventionen der Institution radikal brach.

Zu seinem 100. Geburtstag widmen wir Joseph Beuys eine Ausstellung, die sich mit den Präsentationsweisen seiner Arbeiten auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist unser Beuys-Raum, den der Künstler im Jahr 1984 selbst einrichtete und der bis heute unverändert ist. Der Raum ist ein wichtiger Zeitzeuge, wenn es um das Verständnis von Joseph Beuys zur Institution Museum sowie zu seinem großen Selbstverständnis als Kurator seiner eigenen Werke geht.

Welchen Einfluss haben Ort und Raum für die Arbeiten von Beuys und wie agiert er selbst als Kurator? Die Ausstellung zeichnet Beuys sensibles Arbeiten zwischen Werk, Betrachter und Museumsraum auch anhand von Fotografien, Filmaufnahmen und Objekten nach. Mit dabei ein umfassendes Konvolut an Fotografien von Lothar Wolleh, der Beuys über Jahre begleitete.

Zentral für die Ausstellung ist auch das Verhältnis von Beuys zu anderen Künstlern. Beuys und Schlemmer, Beuys und Warhol, Beuys und Nam June Paik. Künstler-Dialoge, die für Beuys spirituelles Arbeiten als Kurator von großer Bedeutung sind und in der Ausstellung über die eigene Sammlung thematisiert werden.

Mit freundlicher Unterstützung von

Interview

»Beuys und das Museum«

Wie war das Verhältnis von Joseph Beuys zur Institution Museum? Was ist das Besondere am Beuys-Raum der Staatsgalerie? Und wie aktuell ist das Werk von Beuys eigentlich heute noch?

Lesen Sie unser Interview »Beuys und das Museum« mit Dr. Ina Conzen, Kuratorin der Ausstellung und Leiterin der Abteilung Wissenschaft sowie Hauptkonservatorin für das 20./21. Jahrhundert in der Staatsgalerie.

SWR 2 Forum

»Künstler, Schamane, Revolutionär – wer war Joseph Beuys?«

Die Fettecke, der Friedenshase, die Honigpumpe: Mit ikonischen Werken ist Joseph Beuys in die Kunstgeschichte eingegangen. Zu seinem 100. Geburtstag ziehen neue Bücher und Ausstellungen Bilanz. Wie hat Beuys die Kunst verändert?

Susanne Kaufmann diskutiert mit Dr. Ina Conzen, Kuratorin unserer Beuys Ausstellung, Prof. Dr. Hans Dieter Huber, Künstler und Kunstwissenschaftler, Berlin und Prof. Dr. Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte, ETH Zürich.

Tickets

12 € / 10 €  inkl. Sammlung.

11,50 € / 9,50 € exkl. Sammlung

Kombitickets

19,50 € / 15,50 € inkl. »Mit allen Sinnen! Französischer Impressionismus«

20 € / 16 € inkl. Sammlung und »Mit allen Sinnen! Französischer Impressionismus«

Ausstellungsführungen

Derzeit sind leider keine Ausstellungsführungen möglich.

Unser digitales Programm finden Sie hier.

Die Werke der Ausstellung digital erkunden

Joseph Beuys. Der Raumkurator – der Katalog zur Ausstellung

Der Katalog zur Ausstellung gibt anhand von Essays Aufschluss über die Entstehung des Stuttarter Beuys-Raumes und die Genese der darin gezeigten Werke. Der Band ist reich bebildert und enthält bislang unveröffentlichte Fotografien, die die Entstehung der beiden großen Installationen »Plastischer Fuß Elastischer Fuß« und »dernier espace avec introspecteur« dokumentieren.

Erhältlich im Museumsshop und im Buchhandel für 14,90 €.

Filme

Ausstellungstrailer

Ausstellungsfilm

SWR Dokumentation

»Ein starkes Stück – Die neue Staatsgalerie Stuttgart«

Die SWR-Dokumentation »Ein starkes Stück – die Neue Staatsgalerie Stuttgart« aus dem Jahr 1984 dokumentiert die Einrichtung der Ausstellungsräume der Neuen Staatsgalerie Stuttgart und enthält Interviews mit dem Architekten James Stirling.

Joseph Beuys ist angereist, um seine Objektensembles selbst aufzustellen: Die hier gezeigten Ausschnitte zeigen den Künstler bei seinem Besuch der Neuen Staatsgalerie Stuttgart und in Gesprächen mit dem damaligen Direktor, Peter Beye, sowie dem Museumsteam.

Die Neue Staatsgalerie in Stuttgart. Ein starkes Stück (Ausschnitt) und Bericht aus Stuttgart (Ausschnitt), 1984, SWR Südwestrundfunk, Funkhaus Stuttgart;
für Joseph Beuys, Jean Dubuffet, Fernand Léger und Sol LeWitt: © VG Bild-Kunst, Bonn 2021,
© Barnett Newman Foundation/VG Bild-Kunst, Bonn 2021,
© Kate Rothko-Prizel & Christopher Rothko / VG Bild-Kunst, Bonn 2021,
© Succession Alberto Giacometti / 2021, ProLitteris, Zurich,
© The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New York 2021,
© The Estate of Yves Klein / VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Highlight-Clips

Die Kuratorin Ina Conzen über die letzte Neuerwerbung von Joseph Beuys

Die Kuratorin Nathalie Frensch über Nam June Paiks »Beuys Video Wall«

Der Kurator Jens Ullner über Lothar Wollehs Fotografie »Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm«

Podcast

»Wer nicht denken will, fliegt raus«

Eine subjektive Recherche anlässlich des 100sten Geburtstags von Joseph Beuys.

Christian Müller und Jonas Bolle vom Citizen.KANE.Kollektiv widmen sich einer der bedeutendsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Joseph Beuys hat den Kunstbegriff erweitert und war Soldat im Zweiten Weltkrieg. Er hat das Denken zur sozialen Plastik erklärt und stand der Anthroposophie nahe. Zu allen Zeiten hat dieser Künstler und sein Werk stark polarisiert. 1984 hat er im Stirling-Neubau der Staatsgalerie Stuttgart einen Raum eingerichtet, der nun Ausgangspunkt unserer Ausstellung ist. Dieses Podcast-Feature ist der Versuch einen ambivalenten Künstler zu verstehen, anzuerkennen und seinen Mythos zu überwinden.

Die beiden Autoren spiegeln in verschiedenen Formaten mit einem kritischen Blick die Sammlung und Ausstellungen der Staatsgalerie. Ihr erstes Projekt war eine Radio-Performance zu Banksy, aus der das Format BILDFUNK entstand. Ihr erster Podcast erschien im Sommer 2020 zur Ausstellung des Künstlerpaares Uwe Lausen und Heide Stolz.

Bei allen Formaten ist im Vorfeld allein das Thema abgestimmt. In der Erarbeitung und Recherche sowie Verwendung des Materials sind die Autoren vollkommen frei. Nicht immer entsprechen die Ansätze der Autoren dabei denen der Staatsgalerie.

So hätte sich die Staatsgalerie für den Beuys-Podcast gewünscht, die Positionen von Hans-Peter Riegel um Sichtweisen weiterer Beuys Biografen zu erweitern, um den Forschungsstand ausgewogener wiederzugeben. Die Vielschichtigkeit der Person Joseph Beuys spiegelt sich auch in der aktuellen Mediendebatte im März 2021 zu den Eröffnungen der Ausstellungen in Düsseldorf und Stuttgart wieder.

 

Recherche, Text, Schnitt, Mix
Jonas Bolle und Christian Müller

Musik
Citizen.KANE.Kollektiv

Zitatorin
Sarah Kempin

Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner
Ina Conzen, Kuratorin Staatsgalerie Stuttgart
Josef Fröhlich, Unternehmer und Kunstsammler Stuttgart
Hans-Peter Riegel, Autor, Kunstwissenschaftler, Medienkünstler und Unternehmer
Janka Kluge, antifaschistische Aktivistin Stuttgart
Frankfurter Hauptschule, Künstler*innenkollektiv Frankfurt

Podcast Stream

Alle vier Folgen des Podcasts stehen auf Spotify, soundcloud und Apple Podcasts für Sie zur Verfügung. Viel Spaß beim Anhören!

Highlight

Nam June Paiks »Beuys Video Wall. Beuys Hat«

Erstmals nach 20 Jahren ist die 1990 entstandene Videoskulptur »Beuys Video Wall. Beuys Hat« des koreanischen Künstlers Nam June Paik wieder zu sehen. Sie bildet den Höhepunkt unserer Ausstellung. Die Arbeit ist als Hommage an den 1986 verstorbenen Beuys zu sehen und konnte dank der Unterstützung durch die Wüstenrotstiftung 2019/20 aufwändig restauriert werden.

Der gestalterische Umgang mit Sprache ist für Beuys ein plastischer Vorgang, der immer auch auf seine Person und Botschaft verweist. Dies thematisiert Nam June Paik in seiner Installation mittels der ihm eigenen elektronischen Ästhetik.

Auf den 44 Monitoren wird die Aufzeichnung des Duetts »Coyote III«, das 1984 in Tokyo stattfand, verarbeitet. In seiner computergestützten Bearbeitung schneidet Paik den eigenen Part, der in begleitendem Klavierspiel besteht, heraus und lässt Beuys allein agieren. Übrig bleibt Beuys' Performance: Er artikuliert in rhythmischer Folge deutsche Textfragmente, vor allem aber tierische öö-Laute und schreibt diese zwei Buchstaben ebenso wie Morsezeichen an eine Tafel. Beuys verausgabt sich bei der Aktion und nähert sich dabei dem Habitus eines Tieres an. Paik vermittelt diese Intensität nicht akustisch, sondern allein durch rhythmisch flackernde, sich endlos wiederholende Bilder.

Nam June Paik, Beuys Video Wall (Beuys Hat) Beuys Video Wand (Beuys Hut), 1990, Staatsgalerie Stuttgart, © Nam June Paik Estate

Werkvorschau

Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit »Plastischer Fuß Elastischer Fuß«), 1971, © Lothar Wolleh Estate Berlin; für Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit »Plastischer Fuß Elastischer Fuß«), 1971, © Lothar Wolleh Estate Berlin
Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit »Plastischer Fuß Elastischer Fuß«), 1971, © Lothar Wolleh Estate Berlin
Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit »Plastischer Fuß Elastischer Fuß«), 1971, © Lothar Wolleh Estate Berlin
Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit »Plastischer Fuß Elastischer Fuß«), 1971, © Lothar Wolleh Estate Berlin
Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit »Plastischer Fuß Elastischer Fuß«), 1971, © Lothar Wolleh Estate, Berlin, für Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Joseph Beuys, Steinhase/Goldhase mit Stempel »wählt die Grünen«, um 1982, Sammlung Lothar Schrimer, München, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Joseph Beuys, 5000.2000.8 49214-8-5, 1984/85, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Andy Warhol, Joseph Beuys, 1980, Sammlung Froehlich, Stuttgart, © 2021 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New York
Nam June Paik, Beuys Video Wall (Beuys Hat) Beuys Video Wand (Beuys Hut), 1990, Staatsgalerie Stuttgart, © Nam June Paik Estate
Raumaufnahme Beuys-Raum, Staatsgalerie Stuttgart, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Raumaufnahme Beuys-Raum, Staatsgalerie Stuttgart, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Raumaufnahme Nam June Paik, Beuys Video Wall (Beuys Hat) Beuys Video Wand (Beuys Hut), 1990, Staatsgalerie Stuttgart, © Nam June Paik Estate
Raumaufnahme Oskar Schlemmer, Das Triadische Ballett, 1922
nach oben