Rembrandt Harmensz van Rijn (1606–1669)
»Christus heilt die Kranken (Das Hundertguldenblatt)«

um 1640/49, Radierung, Kaltnadel und Grabstichel auf starkem, gelblichen Japan; II. Zustand; 28,1 x 39,1 cm Platte, 31,8 x 42,3 cm Blatt, Inv.Nr. A90/6366

Im warmen Licht steht Christus erhoben vor einer Mauerecke und spricht zu der Menschenmenge, die sich bittend, betend und zuhörend um ihn versammelt. Der Titel erfasst das Bild nicht voll, denn mehrere Szenen aus dem 19. Kapitel des Matthäus-Evangeliums des Neuen Testaments sind vereint: die Heilung der Kranken, die Segnung der Kinder, die Zurechtweisung des reichen Jünglings und die diskutierenden Pharisäer und Schriftgelehrten. Mit dem Kamel, das rechts unter dem Torbogen steht, ist auch angespielt auf den Vers »Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes komme.«

Rembrandt hat in den vielfältigen Szenen und Details zentrale Elemente der Botschaft Christi in der Komposition vereinigt und in einer Synthese seiner künstlerischen Möglichkeiten im Medium der Radierung verdichtet - von den mit nur wenigen Strichen gezeichneten Figuren links bis zu den feinsten Schraffuren rechts, die jeden Gegenstand in seiner Materialität erfassen, und deren tiefste Schwärzen nur am Original zu sehen sind.

Das »Hundertguldenblatt« ist das einzige Kunstwerk, das einen Preis als Namen trägt. Schon zu Lebzeiten Rembrandts waren die verschiedenen Zustände seiner Radierungen bei Sammlern hoch geschätzt und erzielten außergewöhnliche Preise. Wegen der Brillianz des Drucks und der hervorragenden Erhaltung des warm getönten Japan-Papiers gilt das Stuttgarter Exemplar als eines der schönsten. Es ist die wertvollste Erwerbung der Graphischen Sammlung in den letzten Jahrzehnten. [ HMK ]

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