Pieter van der Heyden (um 1530–1572)
Invidia (Folge: Die sieben Todsünden) nach Pieter Bruegel d. Ä. (1525/30–1569)

1558, Kupferstich auf rohweißem Bütten, Blatt: 25,6 x 33,3 cm, Platte 22,7 x 29,5 cm, Inv.Nr. A 1923/174

Pieter Bruegel wurde durch Gemälde wie »Der Turmbau zu Babel«, »Die Bauernhochzeit« und »Die Heimkehr der Jäger« zu einem der berühmtesten Genremaler. Ab dem Jahre 1554 arbeitete er hauptsächlich als Zeichner für den Verleger Hieronymus Cock, der nach seinen Zeichnungen Kupferstiche herstellen ließ, die sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuten. Auch die Folgen der »Sieben Todsünden« und »Tugenden« wurden von Pieter van der Heyden gestochen und von Cock verlegt.

Bruegel erneuerte die Darstellungsweise der Laster. In der Kunst des Mittelalters wurden die Tugenden und Laster durch weibliche Personifikationen dargestellt, die in Skulpturenprogrammen an Kathedralen sehr verbreitet waren. Bruegels wichtigster Schritt war es nun, sie mit einer weiträumigen Landschaft auszustatten, die zum psychischen Gefilde der jeweiligen Eigenschaft passen. Zu dem unterlegte er das Thema der Tugenden und Laster mit alltäglichen Erfahrungen.

Wie in der ganzen Folge der »Laster« steht auch hier eine weibliche Allegorie der Sünde in der Mitte von Sinnbildern. Sie ist von illustrierenden Szene des sündigen Tuns umgeben, die zumeist der Bildwelt des Hieronymus Bosch entnommen sind, und in der Dämonen eine vielfältige Rolle spielen. »Invidia« sitzt in der Mitte des Bildes unter einem Baum und verschlingt ihr eigenes Herz vor Neid. Ihr Symboltier, der Truthahn, steht neben ihr. Ein weiteres aus dem Mittelalter bekanntes Motiv sind die zwei Hunde, die sich um einen Knochen streiten. Hinter der personifizierten Sünde erscheinen die Abgesandten der Hölle, wie sie die Menschen zur Sünde verführen.

Ein dominierender Gegenstand sind die Schuhe, die in der rechten Bildhälfte den wartenden Menschen angepasst werden, obwohl sie viel zu eng wirken; in der linken Bildhälfte sitzt eine Person in einem Korb, in dem nur linke Schuhe liegen.

Die komplizierte Symbolik konnte bisher aus zeitgenössischen Schriften und Überlieferungen, etwa alten Sprichwörtern, nur teilweise geklärt werden, doch wird sie zumindest für Bruegels Zeitgenossen verständlich gewesen sein. Der Reiz solcher Bilder liegt der Vielschichtigkeit der bedeutungsträchtigen Figuren, die jeder Betrachter für sich selbst erklären und deuten muss. [ Miriam Schäfer ]

Heute im Museum
01.11.14

16:00 Uhr
Erhaben - Der Begriff und die Kunst von der Romantik bis zur Moderne
Führung für Mitglieder der Freunde der Staatsgalerie

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