
1510, Kupferstich auf rohweißem Bütten, 11,4 x 15,6 Blatt (in der Einfassung beschnitten), INV. Nr. GL 924
Das »Milchmädchen« gilt als eines der frühesten Genrebilder, Szenen aus dem gewöhnlichen Alltagsleben, die in der Kunst während des 16. Jahrhunderts zunehmend beliebt wurden. Der Knecht hat die Kühe zum Stall gebracht, die Magd wird sie nun melken. Zwischen ihnen steht monumental eine kräftige Kuh bildparallel im Vordergrund; Rahmenmotive betonen noch die zentrierte Komposition.
So ausschnitthaft alltäglich das Bild wirkt: es verbirgt eine Anspielung auf die erotische Anziehung zwischen dem Knecht und dem Milchmädchen, dessen tiefer Ausschnitt über der Brust seine Aufmerksamkeit fesselt. Sie schlägt die Augen nieder, scheint sich des spannenden Moments jedoch bewusst. In das Spiel mit Blick und Anziehung sind auch die Betrachter einbezogen, denen die hintere Kuh frontal aus dem Bild ins Auge blickt.
Die graphische Meisterschaft zeigt sich in der feinen, jede Form sorgsam modellierenden Linienführung, die in den Schatten bis zu drei Schraffuren übereinander legt. Lucas van Leyden war für die Geschichte des Kupferstichs ähnlich folgenreich wie Albrecht Dürer. Wie Dürer signiert auch er vielfach mit einem Täfelchen mit Monogramm und Jahreszahl, das vorn in der Mitte liegt. [ HMK ]
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