
um 1637, Rohrfeder in Braun, braun laviert, Weißhöhungen (teilweise oxidiert); auf Karton aufgezogen, 18,5 x 30,6 cm, Inv.Nr. GL 936
Auf der Unterkante eigenhändig beschriftet: »dit behoorde vervoucht te weesen met veel gebueren die deese hoge bruijt sien vertreken«. (»Dies sollte die Figuren vieler Nachbarn enthalten, die dem Abschied der hohen Braut beiwohnen«.)
Rembrandt gehört zu den holländischen Künstlern des 17. Jahrhunderts, die sich mit Themen aus dem Alten Testament intensiv auseinander setzten. Hier ist eine Geschichte aus dem 1. Buch Mose dargestellt: Abraham schickte seinen ältesten Knecht Elieser nach Mesopotamien, um dort »im Land seiner Väter« eine rechtgläubige Braut für seinen Sohn Isaak zu finden. Er trifft sie an einem Brunnen, erkennt sie als die von Gott Erwählte, geleitet sie zu ihrem Elternhaus; sie stimmt der Werbung zu und nimmt hier nun als »hohe Braut« Abschied, während die Karawane bereits reisefertig wartet.
Die eigentliche Abschiedsszene ist an den rechten Bildrand gerückt. Dadurch entsteht eine erzählerische Spannung, die Aufbruch und Reise schon spürbar macht. Im Mittelpunkt liegt das Kamel, das Rebekka davontragen wird. Vor dem gleißenden Licht wird sie ein Sonnenschirm beschützen. Aus der ebenso dynamischen wie sicher treffenden Lavierung entsteht eine Lichtregie, die dem Augenblick seine Atmosphäre, der Komposition die Gliederung und der Erzählung die Perspektive gibt.
In Rembrandts Lehr- und Atelierpraxis spielte das Nachstellen und Zeichnen von Szenen aus der Geschichte durch Schüler eine große Rolle. Wie bei vielen Werken ist auch hier die Zuschreibung umstritten: hat Rembrandt mit der eigenhändigen Aufschrift diese Zeichnung eines Schülers kritisiert - oder hat er mit Zeichnung und Aufschrift den Schülern die Demonstration einer gelungenen Komposition gegeben? [ HMK ]
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