
Anfang 17. Jahrhundert, Feder in Braun, rötlich-braun, braun und grau laviert, auf rohweißem Bütten, 18,7 x 32,5 cm, Inv.Nr. C 95
»Kurpfälzisches Skizzenbuch« ist der Name einer Gruppe von 25 Ansichten Heidelbergs und seiner Umgebung. Sie entstanden zu Beginn des 17. Jahrhunderts nach älteren, verschollenen Vorlagen und geben Stadt und Schloss in ihrem Zustand um 1580/1590 wieder. Sie repräsentieren in ihrer Wirklichkeitsnähe die neue Landschaftsauffassung um 1600 und vermitteln als einzigartiges Dokument das Aussehen vor der Zerstörung durch die französischen Truppen im Jahr 1698. Der Zeichner wird im Umkreis der Frankenthaler Künstlerkolonie vermutet, einer Ansiedlung niederländischer Glaubensexilanten in der Kurpfalz.
Die zart lavierte Zeichnung zeigt das Schloss, die Stadt in ihrer Lage am Neckar, und auf dem gegenüberliegenden Heiligenberg die Ruine der Michaelsbasilika, von Süden gesehen. Charakteristische Gebäude wie die Heiliggeistkirche sind verschoben, verschiedene Blickwinkel vereint, sodass der Betrachter auf einem Bild mehr sehen kann, als dies in der Realität möglich wäre. Die Figur des Zeichners links im Vordergrund verspricht zwar eine authentische Aufnahme, ist aber selbst nachträglich hinzugefügt; solche Staffagefiguren sind im »Kurpfälzischen Skizzenbuch« aus dem großen Städteatlas von Georg Braun und Franz Hogenberg entnommen. [ HMK ]
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