
um 1710/20, Rötel, braun laviert auf elfenbeinfarbenem Papier, 28,3 x 27,3 cm, Inv.Nr. C 87/3564
In der allegorischen Szene des aus Genua stammenden Malers und Zeichners Alessandro Magnasco wird die Personifikation der Tugend von einer weiblichen Gestalt emporgehoben und von der geflügelten Victoria bekrönt. Sie triumphiert über die am Boden liegenden Laster - die vordere Figur, den Arm verzweifelt hochreckend, lässt die Bocksfüße eines Satyrs erkennen.
In der pyramidalen Komposition bilden das steile Aufwärtsstreben der siegreichen Tugend und die erdenschwere Verzweiflung der unterlegenen Laster ein spannungsreiches Gegensatzpaar, das in hochdramatischer Weise mit einem starken Sinn für malerische Wirkung gestaltet wird. Dabei unterstützt die rasche, oft nur angedeutete Strichführung des Rötels den Eindruck der Inspiriertheit: Trotz der Einpassung in die Dreiecksform besitzt die Darstellung in der Freiheit des Striches größte Offenheit. Ebenso unterstreichen die vehemente Schraffur und eine pointiert eingesetzte Lavierung, die sich oft unabhängig vom Kontur entfaltet, den expressiven Charakter des Blattes.
Magnascos Vorliebe für pathetische Lichtführung manifestiert sich im Gegensatz des hellen Rötels zu den dunkleren Tönen der Lavierung. [ CH ]
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