Giuseppe Diamantini (1621–1705)
»Mythologische Szene (Die Zeit bringt die Wahrheit an den Tag)«

um 1670/80, Rötel und Feder in Braun auf elfenbeinfarbenem Papier, 27,7 x 23,9 cm, Inv.Nr. C 6314

Im Jahre 1872 erwarb August Kräutle, Vorstand des Königlichen Kupferstichkabinetts Stuttgart, unter anderem einen Komplex mit Zeichnungen von Diamantini, die aus dem Besitz des Grafen Jacopo Durazzo (1717-1794) aus Genua stammten.

Diamantini war seit 1662 in Venedig tätig. Einige seiner Zeichnungen und Radierungen geben große Rätsel bei der Identifizierung der Darstellung auf. Da er selbst auch als Dichter tätig war, sind wohl etliche seiner Bildthemen eigenen literarischen Vorlagen entnommen. Hierzu gehört auch das Blatt mit einer Mythologischen Szene, die wohl das Thema »Die Zeit bringt die Wahrheit an den Tag« beinhaltet.

Zentrum der Darstellung ist die kniende Frau in der Mitte unten, offenbar angeklagt oder verleumdet und von dem sitzenden Mann links zu Boden gestoßen. Sie sucht Hilfe von der erhöht sitzenden Frau rechts mit einer Kugel, die als eine Art Richterin (oder als Fortuna) fungiert. Ihr werden zwar von einem Mann mit Eselsohren falsche Anschuldigungen zugeflüstert, doch widersteht sie diesen und tritt gleichzeitig mit den Füßen auf den Neid, verkörpert durch eine alte Frau mit welken Brüsten. Hoffnung verheißt auch der Mann in der Bildmitte, der die Bittstellerin an der Schulter berührt und gleichzeitig mit dem Arm nach oben auf Chronos, den Gott der Zeit, verweist, der die Wahrheit an den Tag bringt.

Charakteristisch für Diamantini ist die häufig verwendete Kombination von Rötel und brauner Feder, die seine ungemein freien Zeichnungen durch den farbigen Reiz noch ansprechender wirken lässt.

Als Maler scheint Diamantini keine größeren Auswirkungen gehabt zu haben, wohl aber als Zeichner und Radierer. Sein skizzenhafter Strich beeinflusste Künstler der nächsten Generation, darunter etwa Gaspare Diziani und Giovanni Battista Tiepolo. [ CH ]

Heute im Museum
19.09.14

10:30 Uhr
Kunstgespräch für Frauen
Kunstgespräch

15:00 Uhr
Ich sehe was, was du nicht siehst!
Kinderpraxisführung für Kinder ab 4 Jahren ohne Anmeldung

Bitte beachten Sie

Bei rund 5.000 Gemälden & Plastiken, 400.000 Graphiken und rund 150.000 Archivalien können wir selbstverständlich immer nur eine Auswahl unserer Werke präsentieren. Daher kann es durchaus vorkommen, dass Sie ein bestimmtes Werk bei Ihrem Besuch nicht ausgestellt finden, auch wenn es hier zu sehen ist. Falls Ihr Besuch im Museum nur einem bestimmtem Werk gilt, informieren wir Sie gerne vorab unter 0711 . 470 40-250 oder per E-Mail.

Ab 20.5.2014 werden die Räume der »Italienischen Malerei« und Teile des »Schwäbischen Klassizismus« temporär wegen Baumaßnahmen geschlossen. Angebote für Kinder und Jugendliche Bildgalerie: Kunstvermittlung in Aktion Stuttgarter Galerieverein Vermietung Newsletter abonnieren Teilen

http://www.staatsgalerie.de/graphischesammlung/italien_rundg.php | © Staatsgalerie Stuttgart