
um 1650, Feder in Braun auf elfenbeinfarbenem Papier, 26,8 x 41,9 cm, Inv.Nr. C 84/3344
Die Federzeichnung führt die hohe Kunst der Landschaftsdarstellung des bolognesischen Malers und Zeichners Guercino exemplarisch vor Augen. An zwei pointiert an den linken Rand gesetzten Baumstämmen vorbei öffnet sich der Blick in eine weite Landschaft, in der dem Bergmassiv im Hintergrund links eine mächtige Baumgruppe sowie der freie Himmel im rechten Teil der Komposition entgegengesetzt werden. Staffagefiguren, eine Kuppelkirche und ein Dorf inmitten baumbestandener Hügel lockern die Szenerie auf.
Die Differenzierung der Örtlichkeiten erfolgt in einem streng linearen, nahezu kalligraphischen System von Parallelstrichen, das Verwandtschaft zur Druckgraphik aufweist. In der Tat gehört das Blatt in den Zusammenhang einer Gruppe von Landschaftszeichnungen Guercinos, nach denen Jean Pesne vierzehn Stiche angefertigt hat. Diese wurden mit einer Widmung der Neffen Guercinos, Benedetto und Cesare Gennari, an den Herzog von Modena, Francesco II d'Este, veröffentlicht.
Alle Zeichnungen wurden von Benedetto Gennari, der bis 1688 in England am Hofe König Jakobs II. tätig war, dem 1st Duke of Devonshire verkauft (heute befinden sich noch zwölf davon in Chatsworth). Das vorliegende Blatt gehört zwar nicht direkt zu den gestochenen Vorlagen, doch muss es zur gleichen Zeit wie die anderen in die Sammlung von Chatsworth gekommen sein. Wegen der großen Nachfrage wurden gerade Guercinos gezeichnete Landschaften bereits zu seinen Lebzeiten kopiert oder nachgeahmt - durchaus mit konkreter Fälschungsabsicht. [ CH ]
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